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Bert Hellinger und die Familienaufstellung - Kritische Texte zu Bert Hellinger

Inhalt

Ein Video sagt mehr als tausend Worte
Bert Hellinger in der Reichskanzlei
Hellingers Gewerbe
Die Schuld der Eltern geht den Kindern nichts an
Wenn man den Eltern Ehre erweist, kommt etwas tief in der Seele in Ordnung
Was bedeutet der Ansatz Hellingers fuer Frauen, die Gewalt erlebt haben?
Da sitzt das kalte Herz
Das Hellinger-Phaenomen
Bert Hellinger und seine Schueler


Ein Video sagt mehr als tausend Worte     Top

Zunaechst einmal der Hinweis auf das Video (oder hier als Textdokument) von Report Muenchen ueber Bert Hellinger und seine fragwuerdige Familienaufstellung.

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Die Schuld der Eltern geht die Kinder nichts an!     Top

Psychologie Heute 03/2003, Seite 28, Rubrik: Therapie und Politik, Autor: Klaus Weber

Das Familienaufstellen a la Hellinger ist in Mode. Geflissentlich wird dabei uebersehen, auf welchen Grundannahmen diese Therapieform gruendet. Hellinger bedient sich ungeniert der Ideologie des Groeaz, des groessten Aufstellers aller Zeiten: Wer sich nicht den Ordnungen von Familie, Volksgemeinschaft und Heimat unterwirft, muss sich nicht wundern, wenn er krank wird. Auch die Nazis handelten nur im Auftrag eines groesseren Ganzen, dessen Sinn wir nicht begreifen

Bert Hellingers Popularitaet waechst. Seine Buecher und Videokassetten verkaufen sich blendend, und seine Familienaufstellungen sind weltweit psychotherapeutische Events. Hellingers Zielvorstellung menschlichen Zusammenlebens ist Versoehnung und Harmonie. Dazu gehoert auch sein eigenwilliger Umgang mit der Nazizeit. Sein Credo der Erinnerungspolitik heisst, dass die Kinder vergessen sollen, was ihre Eltern gemacht haben: Die Schuld der Eltern geht die Kinder nichts an. � Die Loesung fuer das Kind ist das Vergessen (Literaturverweis 2, S. 116).

Fuer diejenigen, die Erinnerung nicht als Versoehnungsgeste fuer Taeter und Opfer, sondern als Befreiungsprojekt verstehen wollen, hat Hellinger kein Verstaendnis. Ihre Anstrengungen, die gesellschaftlichen Strukturen und die Motive der Akteure von damals zu analysieren, um Gefaehrdungen der heutigen Gesellschaft besser verstehen und bekaempfen zu koennen, werden pathologisiert und mit Motiven faschistischer Taeter auf eine Stufe gestellt: Immer, wo einer sich gerecht fuehlt oder fuer eine gerechte Sache streitet, hat er ein uebernommenes Gefuehl. � Dann werden die Entruesteten boese, massen sich an, sie haetten groessere Rechte als andere, und fuehlen sich ueberlegen, wie frueher die Taeter (2, S. 130). Fuer Hellinger, der sich damit bruestet, von Politik nichts zu verstehen (3, S. 55), sind Widerstandskaempfer demgemaess dasselbe wie deutsche Besatzungssoldaten. Er bezeichnet sie alle als Moerder: In einer Gruppe war eine Frau, deren Onkel im Dritten Reich zu den Partisanen nach Jugoslawien gegangen ist � als Kommunist. Fuer mich ist er ein Moerder. Denn was hat er dort anderes gemacht, als deutsche Soldaten abzuknallen? (3, S. 53).

Der richtige Widerstandskaempfer sei einer, der auf die gute Gelegenheit, auf die rechte Zeit warte und der sich sicher sein muesse, dass seine Aktion Erfolg habe. Stauffenberg, die Geschwister Scholl und alle anderen Erfolglosen werden von Hellinger als unkluge Menschen und Selbstmoerder verunglimpft, waehrend er Konrad Adenauer bescheinigt, der rechte Mann des Widerstands gewesen zu sein: Er war klug, und zur rechten Zeit stand er zur Verfuegung. � Wer wartet, ist eher im Einklang. Er wartet, bis die richtige Zeit zu handeln da ist (3, S. 55/56). Die erinnernde Ehrung von Widerstandskaempfern ist Hellinger insgesamt ein Dorn im Auge. Denn die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand betrieben doch nur die, die selbst zu feige waeren, so etwas zu tun. Sie blasen sich dann auf, indem sie sich mit ihnen identifizieren (3, S. 56).

Das therapeutische Projekt Hellingers besteht darin, Erinnerung an und Nachdenken ueber Vergangenes � sei es als kollektives Geschichtsbewusstsein oder als individuelles Vermoegen � zu denunzieren. An deren Stelle steht das Vergessen als einzig moegliche Form der Versoehnung. Geschichtsschreibung sei eine Art Fortpflanzung des Boesen (2, S. 115), Einsicht in die wirklichen Zusammenhaenge koenne der Einzelne nur teilweise gewinnen, denn Leben und Tod und Unschuld und Schuld sind in den Haenden von Maechten, die sich nicht nach unseren Massstaeben richten (2, S. 9). Hellinger arbeitet daran, geschichtliches Denken, kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verunglimpfen. Er verharmlost darueber hinaus den deutschen Faschismus, verherrlicht Hitler und diskriminiert die Juden.

Hellinger knuepft bedenkenlos an Kategorien voelkischer Ideologie an: Das eigene Volk und die Heimat seien Ordnungen, ausserhalb derer man krank werde. So weiss er von MigrantInnen, die ihrer Heimat den Ruecken kehrten und krank geworden sind, dass die nur gesund werden koennen, wenn sie in ihre Heimat zurueckgehen und wenn sie bereit sind, das Schicksal ihres Volkes zu teilen. Manche fliehen davor, und sie draengen sich einer anderen Heimat auf, die ihnen gar nicht gehoert und sie auch gar nicht braucht oder will (3, S. 109). Hier wird das Konzept eines kulturellen Rassismus propagiert, das davon ausgeht, dass es sowohl fuer kulturelle Einheiten wie Voelker als auch fuer deren Subjekte krankmachend ist, wenn sie sich vermischen. Ihre Wurzeln hat diese rassistische Logik in den Theorien der franzoesischen Neuen Rechten um Alain Benoist, die unter dem Vorwand der Reinhaltung der Ethnien eine neue, nichtbiologistische Trennung der Voelker und Kulturen propagieren und deshalb fuer eine radikale Remigration der so genannten Gastarbeiter eintreten. Die Volksgemeinschaft artikuliert Hellinger als Schicksalsgemeinschaft, in die jeder aufgrund seiner Abstammung hineingehoert.

In den Ordnungsplaenen Hellingers ist auch die Zugehoerigkeit zu einer Religionsgemeinschaft nicht durch die Individuen aufzuloesen. Versuchen sie das trotzdem, so habe das krankmachende Folgen. In einer seiner Familienaufstellungen, die in Hamburg vor 600 Menschen stattfand, berichtet eine Juedin, sie stamme aus einer Familie, deren Mitglieder deshalb ueberlebt haetten, weil sie sich christlich taufen liessen. Diesen UEberlebensakt des Vaters und der Grosseltern der Frau sieht Hellinger als eine Art Verrat an der juedischen Schicksalsgemeinschaft: Die Grosseltern und der Vater haben sich taufen lassen, waren dann besonders gute Christen und haben damit die Schicksalsgemeinschaft, aus der sie kommen, verlassen. Das hat eine schlimme Wirkung (2, S. 238).

Die Tatsache, dass Juden von den Nazis verfolgt, verschleppt und ermordet wurden, wird als geschichtliche Tatsache erst gar nicht erwaehnt, weil dahinter fuer Hellinger keine menschlichen Akteure, keine sozialen und politischen Strukturen stehen, sondern etwas Groesseres, das die Schicksalsgemeinschaften und die Schicksale zu verantworten habe. Hellingers Empfehlung an religioes, rassisch oder politisch Verfolgte lautet, sie sollten sich ihrem Schicksal fuegen und es anerkennen; letztlich truegen auch die schlimmsten Erfahrungen zu etwas Gutem und Grossem bei. Entscheidend sei lediglich, die Ordnungen der Liebe einzuhalten, wie Hellinger seine Instanzen subjektiver Unterwerfung nennt.

Mit dieser ideologischen Anordnung werden juedische Opfer des deutschen Faschismus einerseits fuer ihr Leiden und ihren Tod selbst verantwortlich gemacht. Denn die Tatsache, dass sie leiden mussten oder ermordet wurden, ist in Hellingers Denksystem ein Hinweis darauf, dass sie aus einer vorgegebenen Ordnung ausgebrochen sein muessen. Andererseits werden die faschistischen Taeter und deren Taten verharmlost und gerechtfertigt, da sie innerhalb eines groesseren Rahmens geschahen, dessen guten und grossen Sinn wir erst in Zukunft erkennen koennen.

Hitler selbst wird aus dieser Rechtfertigung von Hellinger nicht ausgenommen. Es sei zwar schwer zu sehen, was am Faschismus und an Hitler Gutes sein konnte. Es ist aber so, dass Errungenschaften und Freiheiten, die wir jetzt haben, ohne diese schlimmen Erfahrungen nicht denkbar waeren. Ich sehe das alles in einem groesseren Zusammenhang (3, S. 13).

Da uebermenschliche Kraefte und Maechte festlegen, was mit den Menschen auf dieser Welt passiert, hat es fuer Hellinger lediglich Sinn, sich zu fragen, fuer welchen Dienst man durch das Schicksal vorbestimmt sei. Anders formuliert: Durch die Einfuegung der Menschen in ein groesseres Ganzes (3, S. 144), durch das sie sich fuehren lassen sollten, seien sie in der Lage, diese Fuehrung als Berufung fuer eine ganz bestimmte Aufgabe (ebd.) zu erleben.

Das Spezifische im deutschen Faschismus war die Verknuepfung der freiwilligen Zustimmung der Individuen zum staatlich Gesollten mit Techniken von Gewalt und Zwang. Hellinger formuliert diese fuer die faschistische Herrschaft spezifische Form der Selbstunterwerfung als Aufgabe an die Einzelnen, nur das zu wollen, was im Einklang ist (3, S. 136), weil man so am besten vorankomme. Greife das Subjekt willentlich in Zusammenhaenge ein, die es nichts angehen, werde es von dem, in das es eingreifen will, auch gestoppt.

UEbersetzt in alltaegliche Handlungssituationen, wird damit jedes Handeln, das subjektiv Vorteile bringt und im Einklang mit den herrschenden Anforderungen ist, befuerwortet. Ein Handeln aber, das Verhaeltnisse veraendern will oder sich widerstaendig in ihnen positioniert, macht einerseits krank, und andererseits wird es durch Maechte der Hellingerschen Ordnungssysteme gestoppt. Diese Maechte werden nicht genauer bestimmt. Gerade darin liegt nun der ideologische Trick Hellingers: Glueckt etwa ein Staatsstreich und die Verhaeltnisse veraendern sich, so sei es im Willen dieser Maechte gelegen. Glueckt er nicht, so haetten diese ihn eben verhindert. Am Beispiel des Kriegs verdeutlicht Hellinger, wie er sein Projekt der Verantwortungsentlastung konkret denkt. Einerseits gebe es dafuer, dass Kriege stattfaenden, weder verantwortliche Personen noch verantwortliche Staaten: Der Krieg zum Beispiel ist etwas, was die Familie oder ein Volk sozusagen ueberfaellt, und dennoch ist es nichts, was aus diesen selbst entsteht, sondern es wird von einer anderen Macht gesteuert (3, S. 121). Auf der anderen Seite wird jegliches Handeln des Einzelnen im Kriegsfalle, sei es das Toeten von Zivilisten, sei es das Abwerfen einer Atombombe, als unausweichlich und notwendig gerechtfertigt. Denn was immer Menschen tun, ob sie Gutes tun oder Schlimmes, auch das traegt zum Ganzen bei und ist notwendig. � Der Einzelne sieht, wenn er auf sein Leben zurueckblickt, � dass er in Situationen gestellt war, denen er nicht ausweichen konnte. � Er fuehlt, dass da etwas gesteuert hat (3, S. 131). Hellinger propagiert einen Menschentyp, der funktional fuer jedes totalitaere und faschistische System waere. Weder individuelles verantwortliches Handeln noch kooperatives Gestalten von Gesellschaft sind Eigenschaften der von ihm als Vorbild entworfenen Untertanen.

Dabei sind fuer Hellinger Untertanen und Knechte keinesfalls negativ besetzte Begriffe. Denn der Dienst fuer eine grosse Sache ist die Berufung jedes Menschen, der er sich nicht entziehen duerfe. Wer in Dienst genommen (2, S. 83) sei, trage keine Verantwortung fuer sein Handeln. Jeder Mensch muesse das nehmen, was ihm durch seine Dienerschaft zukomme: Das kann auch etwas Boeses sein. Auch die Boesen sind berufen. Fuer einen dieser Boesewichte hat Hellinger besonderes und tiefes Verstaendnis � fuer Adolf Hitler: Auch Hitler war in den Dienst genommen. Als Beleg fuer diese Indienstnahme argumentiert Hellinger mit dem, was ihm ein Freund erzaehlt habe, der wiederum ein Buch gelesen habe, das Mein Freund Hitler heisse und von einem Jugendfreund Hitlers geschrieben sei: Er erzaehlt in dem Buch, dass Hitler in Linz in die Oper Rienzi, der letzte der Tribunen von Wagner ging und nach der Oper die ganze Nacht durch Linz geirrt ist und laut gesagt hat: �Das ist mein Schicksal.� Es war fuer ihn unausweichlich.

Davon abgesehen, dass das Buch von Hitlers Freund August Kubizek erst im Jahr 1953 geschrieben wurde und von ernsthaften Historikern als nachtraegliche Montage Kubizeks zu Hitlers Wahnvorstellungen betrachtet wird (4, S. 765), uebernimmt Hellinger ungeprueft die ideologischen Inhalte der Hitlerschen Selbstdarstellung, die von fruehen Visionen und Schicksalsfuegungen erzaehlt, welche seinen Weg vorherbestimmt haetten. An anderer Stelle beschreibt Hellinger bewundernd die Grundhaltung Hitlers, welche auf die guenstige Gelegenheit warten konnte: Wenn dann die Gelegenheit kommt oder der Aufruf und jemand ist im Einklang mit diesem Strom, dann hat er ungeheure Kraft. So schrecklich es klingt, einer, der darauf warten konnte und es dann ergriffen hat, war Hitler (3, S. 12). Wie die NS-Propaganda ist Hellingers Darstellung historischer Entwicklungen und Ereignisse auf die Verbindung des Schicksalhaften mit dem Genius des Fuehrers reduziert. OEkonomische, soziale, kulturelle und politische Verhaeltnisse als moegliche Erklaerungsansaetze fuer den Erfolg der NS-Bewegung werden ignoriert, um die Einzigartigkeit von Hitler zu unterstreichen.

Doch auch die politischen Ergebnisse faschistischer Politik und Hitlerscher Entscheidungen werden von Hellinger gewuerdigt. Die Judenvernichtung, der Eroberungsfeldzug gegen Osteuropa, die Euthanasieprogramme: Nach Hellinger haben hier Menschen schlimmste Sachen angerichtet; doch gleichzeitig rechtfertigt er alle Ergebnisse faschistischer Politik mit dem Hinweis auf einen uebergeordneten Zwang: Wir muessen zugeben, dass auch das Boese in den Haenden von groesseren Maechten ist und in einem groesseren Ganzen einen Sinn hat.

Die Verehrung Adolf Hitlers geht einher mit einem kaum verhuellten Antisemitismus. So nennt Hellinger Kinder mit einer juedischen Mutter oder einem juedischen Vater Halbjuden (2, S. 209, S. 306) und verwendet damit den Begriff, den die Nazis 1935 durch die 1. Verordnung zum Reichsbuergergesetz allen Mischlingen ersten Grades gaben. In Hellingers Kommentaren zu Familienaufstellungen wird zwar behauptet, den juedischen Opfern werde eine ganz tiefe Achtung (2, S. 164) entgegengebracht, die diese auch verdient haetten. Diese postulierte Achtung wird jedoch durch die Aufstellungen selbst entlarvt. So wird ein deutscher Grossvater entlastet, indem der Tod der von ihm erschossenen zehn juedischen Kinder als etwas Unpersoenliches verkuendet wird, hinter dem etwas Groesseres ist, das man wuerdigen muesse. Eine ebenfalls an Hellingers Veranstaltungen teilnehmende Frau, die unter der Kapitelueberschrift Der Vater von Elisabeth war Halbjude (2, S. 195) vorgestellt wird, noetigt Hellinger dazu, folgenden an ihren Ehemann gerichteten Satz nachzusprechen: Ich wuerdige, dass du mich geheiratet hast, obwohl ich eine Juedin bin (2, S. 209).

Dieser offene Antisemitismus Hellingers wird ergaenzt durch subtile Anspielungen auf den Gegensatz germanisch-christlicher Kultur zur juedischen. So wird der Freudsche Begriff des Todestriebs als kraftlos bezeichnet, dem die an Heidegger anklingende Formulierung der Sehnsucht nach dem Urgrund (3, S. 41) gegenuebergestellt wird. AEhnlich wie C. G. Jung, der der Freudschen Psychoanalyse vorwarf, sie habe juedische Kategorien entwickelt, die nicht auf christliche Germanen angewendet werden koennten, spielt Hellinger auf den Gegensatz indogermanischer Wurzelworte und analytischer Begrifflichkeiten an. Wuerde und Wuerdigung, Bitten und Versoehnung sowie Verneigen und Barmherzigkeit sind im indogermanischen Glossar Hellingers zu finden. Die Kraft, die in diesen Worten enthalten sei, koenne heilen. Als Beispiel dieser Kraft erwaehnt Hellinger eine Juedin, die seit 40 Jahren ihre Mutter pflegt, welche das KZ ueberlebte. Waehrend einer therapeutischen Veranstaltung sei es durch das Aussprechen des germanischen Worts Barmherzigkeit gelungen, dass sich die Frau fuer alles entschaedigt gefuehlt habe.

An Hitler und am deutschen Faschismus findet Hellinger � um mit Ernst Bloch zu sprechen � so viele gute Kerne, dass diese fast wie Sonnenblumen aussehen (1). Hellinger heilt die Teilnehmer seiner Familienaufstellungen, indem er ihnen Bilder und emotional konstruierte Erfahrungen anbietet, die Sicherheit und Klarheit versprechen. Voraussetzung fuer diese Heilung ist jedoch die Unterwerfung unter unbegriffene Vorgaenge und unter Hellinger selbst. Die Kritik an Hellinger, er arbeite mit Gaukeleien und Taeuschungsversuchen, greift zu kurz. Hellinger benutzt in seinen Texten ideologische Figuren, die direkt an die faschistische Ideologie anknuepfen, und er arbeitet therapeutisch an der freiwilligen Zustimmung kranker, leidender Menschen zu ihrem Schicksal und damit an ihrer Selbstunterwerfung. Seine explizite Anerkennung der Grundhaltung Adolf Hitlers und seine antisemitischen Anspielungen zeigen, dass Hellinger ein politisches Projekt verfolgt, das kritisiert und bekaempft zu werden verdient hat.

Literatur

  • (1) Ernst Bloch: Erbschaft dieser Zeit. Suhrkamp, Frankfurt 1962
  • (2) Bert Hellinger: Der Abschied. Nachkommen von Taetern und Opfern stellen ihre Familien. Carl-Auer-Systeme, Heidelberg 2001
  • (3) Harald Hohnen, Bertold Ulsamer (Hg.): Mit der Seele reden. Gespraeche mit Bert Hellinger. Herder, Freiburg 2001
  • (4) Ian Kershaw: Hitler. 1889�1936. DVA, Stuttgart 1998

Klaus Weber, geb. 1960, Dr. phil., Professor fuer Psychologie an der FH Frankfurt, Gastprofessor an der Universitaet Innsbruck. Arbeiten zur Psychologiegeschichte, Faschismus und Psychologie, Theorien von Subjektivitaet. Veroeffentlichungen: Rechte Maenner (2001), Hamburg. Psychologie. Ein Grundkurs (2001, gemeinsam mit Heiner Keupp), Reinbek.

Die Beitraege von Klaus Weber und Heiner Keupp erscheinen in dem Sammelband Der Wille zum Schicksal. Die Heilslehre des Bert Hellinger (Ueberreuter Verlag, 2003).     Top


Wenn man den Eltern Ehre erweist, kommt etwas tief in der Seele in Ordnung     Top

Psychologie Heute 06/1995, Seite 20, Thema: Das Phaenomen Bert Hellinger, Autorin: Ursula Nube

Dr. Marianne Kruell und Ursula Nuber im Gespraech mit Bert Hellinger

Ein Gespraech mit Bert Hellinger ueber den Einfluss der Familie auf die Gesundheit und Werte und Ziele seiner umstrittenen Therapie

PSYCHOLOGIE HEUTE Herr Hellinger, Ihrer Arbeit liegt die Erkenntnis zugrunde, dass in Familien ueber Generationen hinweg bestimmte Ereignisse das Leben von Menschen beeinflussen koennen. Um diese Dynamik aufzuspueren, arbeiten Sie mit der Methode der Familienaufstellung. Methode und Ansatz sind in der Familientherapie seit langem bekannt. Dennoch haben Sie mit Ihrer Variante der systemischen Familientherapie sehr viel Aufmerksamkeit erfahren. Was ist das Neue an Ihrem Ansatz?

BERT Hellinger: Ich habe erkannt, dass es in der Familie Ereignisse gibt, die zu einer Identifizierung fuehren mit einer frueheren Person. Diese Person ist meist ausgeklammert und auch gar nicht im Bewusstsein desjenigen, der mit ihr identifiziert ist. Ich habe herausgefunden, dass man mit der Methode der Familienaufstellung sehen kann, um welche Person es sich handelt, mit der jemand identifiziert ist und wie man diese Identifizierung schnell aufloest � wiederum im Rahmen der Familienaufstellung.

Psychologie Heute: Sie kommen in der Tat immer zu sehr schnellen Loesungen. Manchmal innerhalb von 10, hoechstens 20 Minuten.

Hellinger: Was zu dieser Schnelligkeit beitraegt, und was das wirklich Neue an meinem Ansatz ist: Ich habe herausgefunden, dass nur aeussere Ereignisse wichtig sind. Zum Beispiel interessiert mich: Ist jemand in der Familie frueh verstorben, wurde jemand verstossen, gab es einen frueheren Mann oder ein ausgeklammertes Kind? Nur das ist von Interesse, ich brauche keine Personenbeschreibungen, ich betreibe keine langwierigen Anamnesen.

Psychologie Heute: Es faellt auf, dass Sie unabhaengig vom jeweiligen Problem der Klientin, des Klienten, fast immer die gleichen Fragen stellen.

Hellinger: Ich frage nach drei Grunddynamiken. Die erste heisst: Folgt er jemandem nach? Ins Unglueck oder in den Tod? Gibt es zum Beispiel einen Fruehverstorbenen?
Oder will ein Elternteil einer Person nachfolgen und sagt der Kranke: Lieber gehe ich, als dass du gehst? Das ist die zweite Dynamik.
Und die dritte Dynamik ist, wenn der Kranke fuer jemanden suehnt, entweder fuer persoenliche Schuld oder stellvertretend fuer jemanden. Das sind die Hauptdynamiken, die auf Krankheit einwirken. � Das Merkwuerdige bei diesen Aufstellungen ist, dass es eine Art der Wahrnehmung gibt, die ueber das Mitgeteilte weit hinaus geht. Ploetzlich gibt es eine Teilnahme an einem Wissen. Ich weiss nicht, wo das herkommt, ich kann es aber sehen und ich kann damit arbeiten, ohne dass ich nachforsche, was das alles ist.

Psychologie Heute: Sie fragen also nicht nach dem Ursprung dessen, was sie in den Familienaufstellungen wahrnehmen? Und sie geben auch keine Deutungen und Interpretationen?

Hellinger: Nein, denn bei Deutungen wird sehr haeufig ein anderer verteufelt: Wenn du so eine Mutter gehabt hast, dann ist es kein Wunder, dass es dir schlecht geht. Sobald das geschieht, ist der Zugang verbaut. Wenn ein Mensch hoert, dass der Therapeut abwertend ueber die Eltern spricht, wird er der weiteren Einflussnahme des Therapeuten widerstehen. Denn innerlich ist jeder seinen Eltern treu.

Psychologie Heute: Nun gibt es Therapeuten, die gerade mit dieser von Ihnen kritisierten Schuldzuweisung arbeiten. Sie stellen sich eindeutig auf die Seite des Kindes und fordern zur Suche nach den Schuldigen auf. Wenn nun, wie Sie sagen, ein solches Vorgehen blockierend wirkt, sind dann solche Therapien wirkungslos?

Hellinger: Ja, genau. Was passiert denn, wenn Kinder gegen ihre Eltern aufgehetzt werden? Die Kinder bestrafen sich anschliessend selbst. Und, was sie vor allem machen: Sie werden wie der verteufelte Elternteil. Das ist die systemische Rache am Unrecht, das den Eltern geschieht. Ich habe einen Aphorismus geschrieben, der lautet: Eltern haben keine Schattenseiten. Eltern sein ist etwas so Grosses, dass alles andere sekundaer ist. Und diese Wuerdigung des Lebens, des Gebens des Lebens, das ist bei uns verloren gegangen. Aus was fuer Gruenden auch immer.

Psychologie Heute: Sie sprechen von der Ehre, die wir den Eltern erweisen muessen. In Familienaufstellungen lassen Sie die Menschen sich verneigen, vor dem Stellvertreter des Vaters oder der Mutter. Der katholischen Erziehung ist es wohl zu verdanken, dass viele bei dem Begriff Ehre sofort an das rigide Gebot Du sollst Vater und Mutter ehren denken muessen, andere assoziieren vielleicht Unterwerfung. Bei vielen Menschen weckt der Begriff Ehre jedenfalls negative Assoziationen.

Hellinger: Aber ist das nicht eine schoene Erkenntnis, die in der Bibel steht: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe �? Urspruenglich hat ehren in der Bibel die Bedeutung fuer die alten Eltern sorgen. Fuer mich bedeutet Ehre eine Hinbewegung der Liebe und der Achtung. Es geht ueberhaupt nicht um Unterwerfung, sondern darum, dass die Liebe wieder fliesst. Das Wichtigste fuer jeden Menschen ist die Ehre, die Wuerde. Das ist die schoenste und hoechste Liebe ueberhaupt, wenn ich einem Menschen die Ehre und Achtung gebe, die ihm gebuehrt. Diese Liebe vor allem gebuehrt unseren Eltern. Wenn man den Eltern Ehre erweist, kommt etwas tief in der Seele in Ordnung.

Psychologie Heute: Gebuehrt denn wirklich allen Eltern die Ehre? Wie soll ein Kind seine Eltern ehren, wenn es von ihnen misshandelt worden ist? Wie kann eine Tochter ihren Vater ehren, der sie sexuell missbraucht hat? Alice Miller zum Beispiel nennt Kindesmissbrauch ein schweres Verbrechen und versteht sich eindeutig als Anwaeltin des Kindes. Koennte man sagen, Sie sind nun der Anwalt der Eltern?

Hellinger: Also, um das ganz klar zu sagen: Ich bin ein Anwalt des Kindes. Ich habe aber gesehen was passiert, wenn die Eltern verteufelt werden. Wenn ein Therapeut zum Beispiel sagt, dein Vater ist ein Verbrecher, dann leidet das Kind sehr. Denn es bleibt innerlich seinem Vater mit Liebe verbunden, was immer auch geschehen ist. Wenn dem Vater nun etwas geschieht, wenn er zum Beispiel ins Gefaengnis kommt, dann habe ich gesehen, dass das Kind sich spaeter dafuer sehr bestraft, und dass Kinder dieses Kindes spaeter diesen Vater nachahmen, seinem Schicksal folgen. Es ist also mit der Entruestung und mit der Verteufelung nichts gewonnen.

Aber um nochmal auf die Frage zurueckzukommen: Ich habe bei Missbrauch so tiefe Verstrickungen gesehen, dass sie mit gewoehnlichen Kategorien gar nicht erfasst werden koennen. Zum Beispiel ist in sehr vielen Inzestfaellen die Mutter die Mitwisserin und noch mehr: Sie ist die graue Eminenz des Inzest, sie schiebt dem Vater die Tochter zu. Ein Beispiel: Da war eine Frau mit Inzesterfahrungen. Sie hatte einen Bruder, der frueh starb und die Mutter wollte vom Mann weg, dem toten Bruder nachfolgen. Dann hat sie die Tochter dem Mann gleichsam als Abloese zugeschoben. Das war die Dynamik. In der Familienaufstellung stand die Frau dem Vater gegenueber und ich habe sie sagen lassen: Papa, ich habe es gerne fuer dich gemacht. Und sie hat ueber das ganze Gesicht gestrahlt. Da war eine solche Liebe, das war unglaublich. Dann habe ich sie zur Mutter sagen lassen: Ich habe es gerne fuer dich gemacht. Und da sagte sie: Nein, das stimmt nicht. Dann habe ich sie zur Mutter sagen lassen: Ich verzeih� dir das nie, ich darf das nicht. Und da war sie befreit. Ich will damit verdeutlichen, welche tiefen Zusammenhaenge in den Aufstellungen deutlich werden.

Psychologie Heute: Das koennte nun so verstanden werden, dass Missbrauch die logische Konsequenz aus bestimmten Familiendynamiken ist, und die Taeter nicht Taeter, sondern auch Opfer sind. Wirken solche AEusserungen nicht verharmlosend?

Hellinger: Ich sage ganz klar: Wir haben eine Rechtsordnung, die muss Kinder schuetzen. Und jemand, der sich etwas zuschulden kommen laesst, muss bestraft werden. Die Rechtsordnung darf nicht durch die Psychotherapie aus den Angeln gehoben werden. Man muss die Bereiche oeffentliche Ordnung und Psychotherapie trennen. Ich kann als Therapeut kein Richter werden und ein Richter kann kein Therapeut werden.

Psychologie Heute: Sie arbeiten nach eigener Aussage rein phaenomenologisch. Wenn Sie gefragt werden, wie Sie zu bestimmten Schlussfolgerungen kommen, dann sagen Sie: Ich sehe das, so ist es. Woher nehmen Sie die Sicherheit, dass es so ist?

Hellinger: Ja, das ist die Standardfrage.

Psychologie Heute: Mag sein, aber sie draengt sich nun mal auf, wenn man Sie bei der Arbeit beobachtet.

Hellinger: Der Vorgang des Wahrnehmens ist ein ungeheuer mutiger. Denn die Wahrheit, das Richtige, erscheint blitzartig, und zwar ganz kurz. Wenn ich irgendeinen Zweifel daran aeussere, wenn ich mich frage, darf ich das?, verschwindet die Wahrnehmung. Manchmal moechte ich bestimmte Einsichten nicht wahrhaben, ich weiss, dass das auf Ablehnung stossen wird, wenn ich sie aeussere. Ich kann aber nicht davon abweichen. Wenn ich davon abweichen wuerde, koennte ich nur noch denken und nicht mehr wahrnehmen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.

Die Wahrnehmung, nach der ich mich im Augenblick richte, dient nicht einer Theorie, sondern sie dient einer Loesung. Wenn ich die Loesung habe, vergesse ich, was ich vorher darueber gesagt habe. Also fuer mich ist die Wahrheit immer etwas Augenblickliches, aus dem Dunkel taucht ploetzlich eine Einsicht auf, auf die gehe zu, und sie taucht wieder unter. Und dann taucht spaeter vielleicht etwas anderes, etwas ganz Entgegengesetztes auf. Das nehme ich genauso ernst wie das erste, ganz im Sinne von Heraklit, der sagt: alles fliesst. Die Wahrheit ist nichts Festes. Wer sich an die Wahrheit klammert, der will etwas Vergaengliches festhalten. Eine Theorie will etwas Vergaengliches festhalten, sehr haeufig.
Diese Sicherheit, die ich spuere, ist nur die Wahrheit fuer diesen einen Augenblick. Ich teste aber gleichzeitig meine Wahrnehmung. Ich behaupte nicht nur. Ich sehe es an den Wirkungen, ob es stimmt oder nicht. Wenn es stimmt, dann fuer diese Loesung, mehr nicht. Ich habe da ueberhaupt keine weitergehenden Ansprueche.

Psychologie Heute: In letzter Zeit wird sehr viel diskutiert ueber die Frage, ob und welche Therapie wirkt, und ob in Zukunft nur noch wissenschaftlich begruendete Therapien zugelassen werden sollen. Die Therapieforscher werfen den Praktikern vor, sie wuerden die Ergebnisse der Forschung ignorieren und einfach voellig unwissenschaftlich drauflostherapieren. Sie sprachen sich jetzt gegen jede Theorie aus, die Ihre Wahrnehmung nur einengen wuerde. Trifft der Vorwurf also auch auf Sie zu?

Hellinger: Ich habe durch Theorien viel gelernt, von Freud, von Jung, von Janov, von Eric Berne, von Virginia Satir � sie alle haben Erfahrungen in Theorie umgesetzt. Wenn ich diesen Hintergrund nicht haette, koennte ich viele Dinge nicht wahrnehmen.

Die Frage, um die es hier geht, ist doch: Was hilft dem Klienten? Macht jemand Therapieforschung, um einem Klienten zu helfen, oder macht er Therapieforschung, um eine gewisse Richtung zu rechtfertigen? Ich brauche zum Beispiel keine Rueckmeldung vom Klienten, denn wenn ich mit ihm gearbeitet habe, habe ich gesehen, ob es wirkt oder nicht. Das ist fuer mich die Rueckmeldung. Wenn ich weitere Therapieforschung machen wuerde, dann wuerde ich meiner Wahrnehmung misstrauen und mich das naechste Mal vielleicht im Stich lassen.

Das heisst aber nicht, dass ich mich gegen eine wissenschaftliche UEberpruefung meines Vorgehens straeube: Zum Beispiel will der Heidelberger Familientherapeut und Arzt Gunthard Weber herausfinden, welchen Einfluss meine Familienaufstellungen auf Krankheit haben. Ich unterstuetze das, aber ich selbst mache das nicht.

Psychologie Heute: Sind Sie denn selbst nicht daran interessiert, ob ihre Interventionen und Loesungen auch tatsaechlich langfristige Wirkung haben?

Hellinger: Es ist ein Geheimnis der Kraft, dass sie wirkt, wenn man sich zurueckhaelt. Die wichtigen Geheimnisse wirken, nicht indem sie gelueftet werden, sondern indem sie da sind. Das gelueftete Geheimnis schlaegt zurueck.

Psychologie Heute: Sie haben also gar nicht den Anspruch, die oft schwerkranken Menschen, mit denen sie Familienaufstellungen machen, zu heilen?

Hellinger: Um Gotteswillen, dann waere ich schon erledigt. Mit Recht wuerde man mir nachweisen, dass ich das nicht kann. Ich trage nur etwas zur Hilfe bei. Mir geht es weniger darum, den einzelnen zu heilen, sondern ich will in ein System eine Ordnung bringen, damit die Energien fliessen, die Heilung foerdern. Wenn das gelingt, kommt das nicht nur den Kranken, sondern allen Mitgliedern im System zugute.

Psychologie Heute: Wenn Sie sich mit ihren vielfaeltigen Erfahrungen mit verschiedenen Therapieformen und auf dem Hintergrund ihrer Lebenserfahrung auf ihre Wahrnehmung verlassen, dann mag das noch einsichtig sein. Was aber geschieht, wenn andere, unerfahrenere Therapeuten Ihre Methode anwenden? Muessen die nicht scheitern, gerade weil die theoretische Basis fehlt?

Hellinger: Ich bekomme manchmal Beschwerdebriefe der Art: Meine Schwester war bei einer Therapeutin, die Ihre Schuelerin ist, und die hat das und das gemacht und es geht meiner Schwester jetzt sehr schlecht. Dann schreibe ich zurueck: Ich nehme keine Stellung zu dem, was andere Therapeuten machen. Denn ich biete weder Ausbildungen an, noch habe ich Schueler.

Psychologie Heute: Ich denke aber schon, dass Sie Schueler haben � vielleicht ohne es selbst zu wollen. Therapeuten und Therapeutinnen lesen Ihre Buecher, kaufen Ihre Videos und kommen in Ihre Workshops. Viele Ihrer AEusserungen sind sehr suggestiv und apodiktisch. Besteht nicht die Gefahr, dass Therapeuten, beeindruckt von dem was Sie tun, kleine Hellingers spielen? Haben Sie nicht Bedenken, dass Ihre Arbeit missverstanden und verfaelscht wird � und dass das auch gefaehrlich fuer die so behandelten Klienten sein kann?

Hellinger: Von mir etwas verfaelschen kann man nur, was ich selbst fuer wahr halten wuerde. Aber ich halte nichts in diesem Sinne fuer wahr. Zwar habe ich Loesungssaetze, doch wenn die einer nur blind uebernimmt, gehen sie leicht ins Leere. Man muss aus dem Augenblick wahrnehmen, um herauszufinden, was fuer diesen Moment und diesen Menschen das Richtige ist. Wenn ein Therapeut nicht ganz gesammelt und bei sich ist, dann hat sein Tun wenig Kraft.

Psychologie Heute: War es dann nicht ein Fehler, ueberhaupt etwas ueber Ihre Arbeit aufzuschreiben? Denn in Ihren Buechern stehen nunmal Saetze wie Krebs ist die Suehne fuer die Verachtung der Eltern oder Jeder Sucht ist die gleiche Grundsituation eigen. Der Suechtige hat seinen Vater nicht genommen, und er nimmt nicht von seinem Vater.

Hellinger: Manchmal ist das so.

Psychologie Heute: In den Buechern steht meist nicht manchmal als Einschraenkung dabei.

Hellinger: Diese Saetze entstehen immer aus einer konkreten Situation heraus. Man darf sie daher nicht verallgemeinern. Dennoch haben sie oft auch fuer andere eine heilende Wirkung.

Psychologie Heute: Ihre Saetze werden nicht nur aus Ihren Buechern begierig aufgenommen, Ihre Seminare sind inzwischen zu regelrechten Massenveranstaltungen geworden. Vor bis zu 500 Menschen fuehren Sie Ihre Familienaufstellungen durch.

Hellinger: Also, das Wort Massenveranstaltung hat doch einen sehr negativen Beigeschmack. Ich habe erst mit kleineren Veranstaltungen angefangen. Doch dann haben sich auf einen Kurs einmal statt 35 Menschen 350 angemeldet. Ich kann die doch nicht zurueckweisen! Die Menschen kommen und wollen mich bei der Arbeit sehen, und ich fuehle mich auch verpflichtet, mein Vorgehen zu zeigen. Die Teilnehmer koennen am Modell etwas fuer sich loesen. Insofern ist es auch eine Hilfe fuer alle, die dabei sind. So sehe ich das.

Psychologie Heute: Aber gibt Ihnen denn der Zulauf nicht zu denken? Wenn sie mit 35 rechnen und es kommen 350?

Hellinger: Das gibt mir nicht zu denken. Ich erlebe mich ja nur als jemand, der etwas tut, was er im Augenblick sieht und ich sehe gewisse Ordnungen, die heilend in der Seele wirken. Ich vermittle das ganz gerne, aber ohne grossen Anspruch.

Psychologie Heute: In dem Buch Zweierlei Glueck sind Sie zitiert mit dem Satz Ich bin auch ein Guru. Also doch?

Hellinger: Dazu gibt es eine Geschichte, eine wahre Geschichte. Eine Gruppe von Leuten ist einen Berg hochgeklettert und hat dort gefeiert. Als die Bergsteiger zurueckkehren wollten, war es bereits stockfinster und sie haben den Weg zurueck nicht gefunden. Und einer, der auch nichts gesehen hat, hat die anderen bei der Hand genommen und ging voran. Sie kamen heil unten an. Seitdem war der ein Guru. Diese Geschichte gehoert in einen Kontext und sie ist eine ironische Geschichte.

Psychologie Heute: Sie weist jene, die andere zu einem Guru machen �

Hellinger: � zurueck.

Psychologie Heute: In dem Zusammenhang moechte ich Sie mit noch einem Zitat von Ihnen konfrontieren: Bei der Psychotherapie ist die Vorgangsweise ganz einfach. Es geht einem da wie einem guten Fuehrer. Ein guter Fuehrer sieht, was die Leute wollen, und das befiehlt er, ein guter Therapeut sieht, was die Leute wollen, und das raet er. Das klingt ein bisschen nach Allmachtsanspruch. Woher wissen Sie, was die Leute wollen?

Hellinger: Ich achte darauf, wohin die innere Bewegung eines Menschen geht. Zum Beispiel: Ein Mann sagte mir, er haette drei Freundinnen und wisse nicht, fuer welche er sich entscheiden soll. Ich habe ihn aufgefordert: Erzaehl� mir von jeder etwas. Bei der dritten hat sein Gesicht geleuchtet. Da habe ich gesagt: Nimm die. Ich habe ihm dazu geraten, weil ich gesehen habe, wohin er tendiert. Doch man darf diese Geschichte nicht verallgemeinern. Das gilt fuer meine gesamte Arbeit: Man darf sie nicht verallgemeinern.

Psychologie Heute: Dann darf man wahrscheinlich auch nicht verallgemeinern, was Sie ueber das Geschlechterverhaeltnis sagen? So findet man bei Ihnen Aussagen wie: Der Mann muss Mann bleiben, die Frau muss Frau bleiben. Denn wenn der Mann das Weibliche in sich zu entwickeln sucht, dann ist das nicht richtig und umgekehrt. Oder Sie sagen, der Mann komme vor der Frau, wenn er es ist, der fuer die Sicherheit sorgt. Dies sind Saetze, die nicht nur in den Ohren von Frauen antiemanzipatorisch klingen und den Verdacht wecken, Sie wollten die alten traditionellen Rollenverhaeltnisse wieder propagieren.

Hellinger: Wenn ich sage, ein Mann soll ein Mann bleiben, und eine Frau eine Frau, dann meint das die Zustimmung zur Unvollkommenheit. Der Mann ist unvollkommen als Mann und die Frau ist unvollkommen als Frau. Indem jeder diese Unvollkommenheit anerkennt, kann er sich vom anderen das schenken lassen, was ihm fehlt, das ist der demuetige Vollzug. Diese gegenseitige Beduerftigkeit macht eine Beziehung zwischen Mann und Frau erst sicher. Ein Mann, der so sein will wie eine Frau, wird fuer eine Frau uninteressant, und eine Frau, die wie ein Mann sein will, wird fuer den Mann uninteressant. Jeder muss nicht nur sein eigenes Geschlecht achten, indem er bei seinem bleibt, sondern auch das des anderen, indem er ihn so sein laesst, wie er seinem entspricht. � Ich wurde einmal gefragt, wie ich mir erklaere, dass Jugendliche zu Rechtsradikalen werden, und ich habe gesagt: Die Rechtsradikalen raechen ihre verachteten Vaeter. Da kommt das Maennliche in seinem Zerrbild hoch, weil das Maennliche im Vater verachtet worden ist. Und zwar von den Muettern. Die Rechtsradikalen sind eigentlich vaterlose Gesellen.

Psychologie Heute: Wenn die Maenner nur wieder maennlich und die Frauen weiblich waeren, gaebe es dann in unser Gesellschaft wieder mehr Ordnung? Das klingt sehr konservativ und rueckschrittlich.

Hellinger: Ich bin mir dieser Gefahr bewusst. Aber ich moechte noch mal auf meine Grundhaltung hinweisen: Ich sehe nur ein paar Menschen und suche fuer diese eine Loesung. Dann ziehe ich mich zurueck. Ich will keine politischen Akzente setzen, sondern ich bleibe bei dem, was ich ueberschaue.

Psychologie Heute: Stehlen Sie sich damit nicht aus der Verantwortung? Tragen Sie durch die Ordnungen, die Sie im Einzelfall erkennen, und die Sie fuer heilsam halten, nicht doch dazu bei, dass bestimmte Ordnungen, man koennte auch sagen alte Werte, wieder hoffaehig werden? Ordnungen, die emanzipatorische Kraefte in den letzten Jahrzehnten versucht haben, aufzubrechen?

Hellinger: Ich moechte nochmal zu dem ganz Grundsaetzlichen kommen: Ich stimme der Welt zu, wie sie ist. Ich bin ganz zufrieden damit. Ich denke, dass in der Welt Kraefte am Werk sind, die lassen sich nicht steuern. Deswegen tun mir Weltverbesserer leid. Die grossen geschichtlichen Bewegungen, der Nationalsozialismus, der Humanismus, die Wende, all das sehe ich als Teil eines gesteuerten Prozesses, bei dem die Opfer sowohl wie die Taeter in Dienst genommen sind, fuer etwas, das wir nicht begreifen. Das hat ungeheure Konsequenzen. Wenn ichdamit in Einklang bin, dann kann ich auf einer kleinen Insel etwas anbauen. Aber mehr nicht. Denn ich weiss, dass diese Bewegungen sehr viel groesser sind als ich, und dass ich da nicht eingreifen kann.

Psychologie Heute: Wenn ich das, was Sie sagen, zum Beispiel auf die Judenverfolgung im Dritten Reich beziehe, dann heisst das: Widerstand war zwecklos, denn die nationalsozialistische Bewegung war von etwas Groesserem gesteuert?

Hellinger: Genau, das ist, was ich meine. Wir muessen das Ergebnis sehen. Was war das Ergebnis des Widerstandes? Es war gleich Null. Das zeigt, dass die Widerstandskaempfer nicht im Einklang waren. Das waren Leute, die gemeint haben, sie koennten das Rad der Geschichte aufhalten. Das geht nicht.

Psychologie Heute: Reden Sie damit nicht einer gefaehrlichen politischen Lethargie das Wort?

Hellinger: Dann haben Sie mich missverstanden. Ich binde mich ein, in das, was ist. Ich stelle mich dem nicht entgegen, ich lasse mich von dem Strom treiben. Aber ich tue etwas innerhalb meiner Grenzen. Allerdings gehe ich nicht ueber diesen Bereich hinaus. Ich habe zum Beispiel grosse Achtung vor Menschen, die im Dritten Reich Juden versteckt haben. Die haben nur im Rahmen ihrer Moeglichkeiten gehandelt und hatten nicht den Anspruch, die ganze nationalsozialistische Bewegung dadurch aufhalten zu koennen. Daher hatten sie auch innerhalb ihrer Grenzen Erfolg.

Psychologie Heute: Wenn man Sie bei Ihrer Arbeit beobachtet, dann faellt auf, dass Sie den Menschen oftmals ziemlich harte Wahrheiten praesentieren. Wenn sich dann aber Widerspruch und Kritik regt, dann ersticken Sie diese im Keim, indem Sie zum Beispiel sagen: Dann ist es eben nicht so, wie ich gesagt habe.

Hellinger: Ich entziehe mich damit der Diskussion und der Kontroverse. Wenn ein Mensch eine Sache nicht so sehen will, wie ich, dann habe ich nichts dagegen. Ich will meine Sichtweise nicht verteidigen. Das ist Teil des Rueckzuges. Wichtig ist, dass ich bei mir bleibe, und dass auch der andere bei sich bleiben kann. Top


Was bedeutet sein Ansatz Hellingers fuer Frauen, die Gewalt erlebt haben?     Top

Familienaufstellung - Die Methode des Theologen Bert Hellinger hat in den letzten Jahren viel Zulauf erhalten. Seine und die zahlreichen Seminare seiner AnhaengerInnen sind gut besucht. Auch in Luebeck fand ein kuerzlich gehaltener Vortrag eines Heilpraktikers, der u.a. nach Hellinger arbeitet, grosse Resonanz. Angebote, an Familienaufstellungen nach Hellinger teilzunehmen, werden auch in der Luebecker Region haeufiger.

Vor allem auch VertreterInnen sozialer Berufe begeistern sich immer mehr fuer das sogenannte systemische Familienstellen. Die Attraktivitaet des Ansatzes ruehrt unter anderem daher, dass in kuerzester Zeit Menschen scheinbar geheilt und von ihren Problemen befreit werden. Bert Hellinger bietet schlichte, einfache Loesungen fuer komplexe Probleme und kurze Interventionen fuer lange Leidensgeschichten.

In seinen Seminaren laesst Hellinger zunaechst alle Familienmitglieder durch StellvertreterInnen symbolisieren und von der Teilnehmerin aufstellen. Intuitiv wuerden sich ihm dann die pathologischen Muster dieses Systems eroeffnen. Er versucht nun, das System in eine "gesuendere" Konstellation zu fuehren, indem er den VertreterInnen der Familienmitglieder neue Positionen zuweist und sie bestimmte Saetze nachsprechen laesst.
Bei seinen Interventionen laesst sich Bert Hellinger immer von seinen Intuitionen leiten. Er "spuert" die Loesungen, die Wahrheiten erscheinen ihm "blitzartig" (B. Hellinger in einem Interview, Psychologie heute 6/1995).
Sein dahinterstehendes Weltbild ist gepraegt von Begriffen wie Ordnung, Ehre, Wertschaetzung und Demut. Das heisst vor allem, Ordnung zwischen Mann und Frau sowie Ordnung zwischen Eltern und Kindern. Konkret meint er damit, dass die Frau dem Mann zu folgen hat und Kinder ihre Eltern bedingungslos achten muessen. Verstoesse gegen diese konservative Ordnung werden laut Hellingers Erklaerungsansatz mit Krankheit, Problemen und Tod bezahlt (a.a.O.).

Welche Auswirkungen hat Hellingers Ansatz fuer Frauen, die als Kind oder Jugendliche sexualisierte Gewalt erlebt haben?

Die Ursachen von sexuellem Missbrauch innerhalb von Familien sieht Hellinger in einem Ungleichgewicht von Geben und Nehmen in der Familie oder in einem Mangel an sexuellem Austausch zwischen den Eltern. Meint er bei einem Fall von sexuellem Missbrauch, dass die Leistungen des Taeters (z.B. die finanzielle Versorgung der Familie durch Erwerbstaetigkeit) nicht ausreichend gewuerdigt wurden, reicht ihm dies als Erklaerungsansatz. Der Taeter versuche, mit der Tat ein vorhandenes Gefaelle wieder auszugleichen. Eine andere Ursache mutmasst er darin, dass mangelnder sexueller Austausch des Paares dazu fuehre, dass die Tochter sich dem Vater anboete oder die Frau dem Mann die Tochter ueberliesse (Weber 1993, Vowinckel 1999).

Bei derartigen Faellen verordnet Bert Hellinger der Mutter, dem Taeter Anerkennung auszusprechen. Die Tochter soll den Eltern versichern, dass sie es gerne tue � fuer sie (Weber 1993, Psychologie heute 6/1995).

Frauen und Maedchen, die in der Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben, leiden haeufig Jahre oder Jahrzehnte nach den Gewalterfahrungen noch unter den Folgen. Diese reichen von Schlafstoerungen und Flashbacks ueber Depression, Suchterkrankungen und Essstoerungen bis zu selbstverletzendem Verhalten und dem komplexen Zusammenspiel vieler Symptome in einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstoerung. Die Gefuehlswelt ist voller Wut, Enttaeuschung, Verletzung und Aggression. Doch vor allem Schuld- und Schamgefuehle sind fuer lange Zeit die vorherrschenden Emotionen. Haeufig aeussern die Maedchen und Frauen ambivalente Gefuehle gegenueber dem Taeter.

Hellinger missachtet Frauen mit seinen Methoden und den dahinterstehenden Werten genau an diesen Stellen:

Er missachtet die ambivalenten Gefuehle von Opfern gegenueber den Taetern. Um die sogenannte Ordnung wieder herzustellen, soll das Opfer dem Taeter nur positive Gefuehle wie Ehre, Wertschaetzung und Achtung entgegenbringen. Frauen und Maedchen sollen das bestehende Machtgefaelle zwischen Maennern und Frauen sowie Eltern und Kindern demuetig anerkennen.

Er missachtet, dass gerade diese traditionelle, patriarchale und reaktionaere Ordnung mit dem dazugehoerigen Machtgefaelle jegliche Form von Machtmissbrauch, auch sexualisierte Gewalt, beguenstigt.

Er missachtet die Verantwortung des Taeters. Von Gewalt betroffene Frauen werden in ihrem Erleben und ihren Erfahrungen nicht ernst genommen. Ihnen wird suggeriert, dass sie selbst Schuld an der Tat haben.

Er missachtet das Selbstbestimmungsrecht seiner "KlientInnen". Will eine Teilnehmerin seine Erklaerungen und Interventionen nicht annehmen, wird dies als Widerstand gedeutet und eine Verlaengerung des Leidens prognostiziert.

Wir halten die Methode Hellingers fuer einen gefaehrlichen Ansatz vermeintlicher Therapie. Hellinger traegt zur Aufrechterhaltung einer Ordnung bei, die selbst Ursache fuer Machtmissbrauch ist, er verstaerkt sexistische und ueberkommene Annahmen ueber sexualisierte Gewalt und suggeriert den Frauen eine Mitschuld am Erlebten.
Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass Hellingers Ansatz so viel unkritische UEbernahme im psychosozialen Arbeitsfeld findet. (aus: frauennotrufe.de)     Top


Da sitzt das kalte Herz!     Top

Bert Hellinger ist Deutschlands prominentester Familientherapeut. Nach seiner Methode der "Familienaufstellung" arbeiten schon 2000 Juenger. Was sie und ihr Meister treiben, ist unter Experten hoechst umstritten.

Von Martin Buchholz

Ein Schrei gellt durch die Arena. Dann sinkt die blonde Frau auf der hell erleuchteten Buehne zu Boden. Wimmernd robbt sie auf den Knien, umklammert die Beine einer anderen. Den 2400 Besuchern in der prall gefuellten Halle stockt der Atem. Wer ganz hinten sitzt, starrt auf die zwei grossen Leinwaende links und rechts der Buehne, wo alles noch schoener und groesser zu sehen ist, live und in Farbe. Es ist wie im Kino!, wird eine Zuschauerin spaeter sagen, und am Ende gibt es immer gute UEberraschungen. Am Ende ist erst einmal die blonde Frau auf der Buehne. Sie bruellt, sie windet sich, schluchzt. Hilfe!, bricht es aus ihr hervor. Ich brauche Hilfe�

Kann man solche Verzweiflung spielen? Mag sein. Aber dies ist kein Theater. Dies ist Therapie, Familienaufstellung mit Bert Hellinger auf einem Kongress in Wuerzburg.

Leidenschaft und Verantwortung � im Herzen von Konflikten lautet das Motto der Wuerzburger Veranstaltung. Es ist die 4. Internationale Tagung fuer Systemaufstellungen. Fuer 450 Euro Teilnahmegebuehr erlebt man vier Tage lang den neuesten Stand einer boomenden Therapieform. Im Tagungszelt tummeln sich Psychologen und Fachaerzte, esoterische Wunderheiler und schaulustige Fans, die alle nur das eine wollen: den Vater der Methode bei der Arbeit sehen. Auch die Presse wurde eingeladen.

Waehrend auf der Buehne die blonde Frau unter Traenen in den Armen einer anderen liegt, greift Bert Hellinger zum Mikrofon. Auf seinem schuetteren weissen Haarkranz liegt das grelle Scheinwerferlicht. Hellinger spricht mit ruhiger, immer etwas belegter Stimme: Ihr koennt klar sehen, sie hat eine Taeterenergie. Da gab�s Verbrechen�

Was wird hier gespielt? Wer ist dieser Mann, den seine umstrittene Therapiemethode so beruehmt gemacht hat? Was ist dran an seinem angeblich heilsamen Rollenspiel, dass es Menschen innerhalb weniger Minuten in tiefe emotionale Erschuetterung versetzen kann? Dass eine stetig wachsende Zahl aufgeklaerter Buerger ernsthaft behauptet, die Familienaufstellung habe ihr Leben veraendert?

Wer heute mit sechs Freunden in der Cocktailbar sitzt und nach zwei, drei Margaritas so unvorsichtig wird, von Beziehungsproblemen oder psychosomatischen Erkrankungen in der Familie zu erzaehlen, der kann fast sicher sein, dass mindestens einer die neue Gretchenfrage stellt: Hast du denn schon mal deine Familie aufgestellt?

Fakt ist: Bert Hellinger und seine Methode der Familienaufstellung haben die Szene der Psychotherapeuten in den vergangenen Jahren kraeftig aufgemischt. Keine andere der vielen hundert verbreiteten Therapieformen sorgt fuer vergleichbaren Aufruhr. Esoterische Scharlatanerie unken die einen und halten Hellingers Kurzzeitbehandlungen fuer gemeingefaehrlich. Der Familienaufsteller, jubilieren die anderen, habe die Wende in der Psychologie eingelaeutet.

Wir koennen unsere Eltern hassen, aber wir werden sie nicht los

Im Jahr 1996 gruendete der Heidelberger Familientherapeut Gunthard Weber die Internationale Arbeitsgemeinschaft fuer Systemische Loesungen nach Bert Hellinger (IAG). Ziel war es, die Ausbreitung und Weiterentwicklung des Hellinger-Ansatzes zu foerdern. Zumindest den ersten Teil der Zielsetzung hat man inzwischen erreicht: Eine wild wuchernde Szene von Familienaufstellern aller Art ist entstanden, die in fast allen deutschen Staedten ihre Dienste anbieten. In Kreisen der wissenschaftlich etablierten Psychotherapie lange nur belaechelt, hat Bert Hellingers Therapiemethode den Psychomarkt schleichend, aber stetig unterwandert.

Einen schoenen Apfel kritisch zu betrachten sei sinnlos, meint Albrecht Mahr, man muesse schon hineinbeissen, um zu erfahren, wie er schmecke. Der ausgebildete Psychoanalytiker hat von Hellingers Baum der Erkenntnis gegessen. Inzwischen bietet er selbst Aufstellungskurse an. Und er hat den Lehrer persoenlich zum Kongress nach Wuerzburg eingeladen, wo inzwischen eine andere junge Frau auf der hell erleuchteten Buehne sitzt, die Haende schuechtern im Schoss vergraben. Ihr trauriger Blick geht geradeaus, irgendwo ins Leere. Sie schweigt. Sie hat ein Problem. Das steht ihr ins Gesicht geschrieben. Bert Hellinger betrachtet die Frau wortlos. Er sieht sie zum ersten Mal, weiss nichts ueber ihre Krankheitsgeschichte, ihre Biografie. Die Spannung steigt, Hellinger hat ein feines Gespuer fuer dramaturgische Effekte. Dann sagt er, langsam und eindringlich, wie einer, der jedes seiner Worte geniesst: Wenn wir sie jetzt anschauen und setzen uns dem aus� Wie viel von ihrer Lebensenergie hat sie zur Verfuegung? Er wendet sich an die junge Frau, fragt: Wie viel Prozent? Sie zoegert: 50? Hellinger schuettelt den Kopf. 20! Sie reisst die Augen auf und muss tief schlucken. War das bereits die Diagnose? Jetzt wird es ernst!, sagt der Therapeut und erhebt sich. Was ist mit deinem Vater? Langes Schweigen der Klientin: Er lebt. Nur wir haben nicht viel Kontakt. Ein Nicken des Meisters. Die Aufstellung beginnt.

So genannte Stellvertreter aus dem Publikum sollen Mutter und Vater der jungen Frau auf der Buehne spielen. Die Klientin steht noch etwas abseits. Unentschlossen. Da rueckt Hellinger sie immer naeher an den Vater heran. Ploetzlich legt der Vater einen Arm um die vermeintliche Tochter. Da strahlt die junge Frau und kuschelt sich selig an seine Schulter. Da ist die Kraft, verkuendet der Therapeut. Wie geht�s dir da? � Ich bin sehr ueberrascht� gut!, bricht es aus ihr hervor. Sie lacht, und die Leute im Saal lachen froehlich mit. Hellinger erklaert dem bewegten Publikum: Wenn jemand so wenig Lebensenergie zeigt, wie wir das bei ihr sehen konnten, fehlt einer der Eltern. Wir koennen sehen, was es bedeutet, wenn dieser fehlende Elternteil einen Platz im Herzen bekommt.

Bert Hellingers Aufstellung � das ist die buehnenwirksame Demonstration einer oft verdraengten Lebensweisheit: Durch unsere Venen fliesst das Blut der Ahnen. Seine Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen. Man kann seine Eltern ignorieren, bekaempfen, hassen, ohne sie jemals loszuwerden, denn Die Seele weiss es besser, wie Hellinger sagt. Weil Kinder ihre Eltern lieben wollen, weil geheimnisvolle Bande uns an die Familie fesseln. Diesem Geheimnis hat Hellinger zu neuer Popularitaet verholfen. Und er hat die religioese Tradition der UEbergangsrituale kurzerhand in die Psychotherapie verlegt. Innerhalb von zehn Minuten wurden die Zuschauer Zeugen einer wundersamen Metamorphose: Durch die rituelle Versoehnung mit ihrem Erzeuger hat sich eine traurige in eine froehliche Frau verwandelt. Die Raupe ist zum Schmetterling geworden.

Ich sehe, dass es was bringt, wird Hellinger spaeter im Interview erklaeren. Der Erfolg, die ploetzliche Veraenderung in den Gesichtern, die Erleichterung, die Befreiung � das macht schon Freude. Es gibt keinen schoeneren Lohn.

Hellingers eigentlicher therapeutischer Coup ist der, dass er ein anregendes Rollenspiel zum aufregenden Mysterienspiel gemacht hat. Seine Methode trifft den Nerv der Erlebnisgesellschaft: Es geht schnell, es geht gleich heftig zur Sache, und man macht Erfahrungen, die man sich nicht erklaeren kann. Beim Familienstellen nach Hellinger gibt es noch etwas Echtes zu erleben.

Die Grundstruktur der Familienaufstellung ist fast immer dieselbe: In einem kurzen Vorgespraech schildert der Klient dem Aufsteller sein Problem. Eine Anamnese zur persoenlichen Lebens- und Krankheitsgeschichte ist nicht gefragt. Der Therapeut interessiert sich ausschliesslich fuer wichtige Ereignisse in der Familiengeschichte des Patienten. Was wichtig ist, entscheidet der Aufsteller: Gab es Trennungen, Scheidungen oder Selbstmorde? Abgetriebene oder tot geborene Kinder? Kriegsopfer oder sonstige frueh verstorbene Ahnen? Kurz: Wo liegen die vergessenen oder verdraengten Leichen im Keller der Sippschaft? Ein Aufsteller nach Hellinger wird so lange suchen, bis er ein solches missachtetes Familienmitglied in der Verwandtschaft des Klienten aufgespuert hat.

Nach dem Rollenspiel kommt die Befreiung des Klienten

Jede Familie habe eine Seele, die alle Mitglieder schicksalhaft verbinde, glaubt Hellinger. Deshalb duerfe man in einer Familie niemanden ausschliessen. Das bestrafe die Familienseele mit Krankheiten fuer die engsten Angehoerigen oder Nachkommen, die sich nun unbewusst mit dem boesen Schicksal dieses Ausgeschlossenen identifizieren wuerden. Magersucht oder Depression, Allergien oder Selbstmord � nach Hellingers Lehre lauter moegliche Folgen der unbewussten Verstrickungen innerhalb der Familie. Hilfe fuer den verstrickten Klienten naht erst dort, wo die Ordnungen der Liebe wiederhergestellt werden � ein hierarchisch strukturiertes Familiensystem, das Hellinger als heilsam erkannt haben will: Die Frau folgt dem Mann, schreibt er in einem Buch. Dann folgen die Kinder, in der Reihenfolge ihrer Geburt. Auch Fehlgeburten, Totgeburten und abgetriebene Kinder sind zu beruecksichtigen. Alle muessen gemaess ihrer Rangfolge an ihrem Platz geehrt und geachtet werden. All das geschieht durch das therapeutische Rollenspiel: Der Klient waehlt aus der anwesenden Gruppe willkuerlich Leute aus, als Stellvertreter fuer sich selbst und fuer die als wichtig benannten Mitglieder seiner Familie. Dann schiebt er sie umher, aus einem inneren Empfinden heraus, wie Hellinger betont, ohne nachzudenken. Wenn er fuer alle einen Platz im Raum gefunden hat, wird der Klient zum Zuschauer. Der Therapeut erfragt die Gefuehle der Stellvertreter in der jeweiligen Position, in der sie sich gerade befinden.

Genau hier pocht das geheimnisvolle Herz jeder Aufstellung. Man kann beobachten, erklaert Hellinger im Interview, wie die Stellvertreter ploetzlich fuehlen wie die Personen, die sie vertreten. Was man beobachten kann, sind heftige Gefuehlsregungen: Eine Mutter beginnt zu weinen, einem Vater wird die linke Seite ganz kalt, die Oma ziehe irgendwas da hinten zur Tuer hinaus.

Als ich zum ersten Mal fuer jemanden stand, der eigentlich schon tot war, berichtet einer, da rutschten mir die Beine weg. Umgefallen sei er, von einer Sekunde zur anderen. Zum Glueck haetten die anderen ihn gerade noch festhalten koennen. Auch die blonde Dame, die eben noch auf der Buehne unter Schreikraempfen zusammengebrochen ist, beteuert: Ich war nicht mehr ich selbst. Sie stand dort als Stellvertreterin fuer eine von Hellingers Klientinnen. Ihren ploetzlichen tiefen Schmerz koenne sie sich wirklich nicht erklaeren. Aber Hellinger kann es: Die sind also in Verbindung mit etwas Groesserem, sagt er mit ernstem Blick. Wildfremde Menschen sollen auf einmal die Gefuehle von Familienangehoerigen eines anderen erleben, von Menschen, die sie nie gesehen, geschweige denn gekannt haben? Ist das moeglich? Unglaublich, aber fuer jeden erfahrbar sei dieses seltsame Phaenomen. Hellinger nennt es das wissende Feld. Was steckt hinter diesem wissenden Feld? Er zuckt mit den Achseln. Wenn ich so etwas leite, bin ich auch in Verbindung mit diesem Feld. Von dort bekomme er Informationen. Er richte sich nach der Wahrheit, die ans Licht gekommen ist.

Wer an diesem Punkt aussteigt, verpasst den Weg zur Loesung, wie ihn Tausende von Hilfesuchenden bereits als heilsam erlebt haben wollen. Stellvertreter, die sich an ihrem Platz mies fuehlen, werden vom Therapeuten umgestellt, so lange bis alle den richtigen Ort gefunden haben, der fuer sie in Ordnung ist, an dem es ihnen also merklich besser geht. In der Regel wird erst dann der Klient in die Aufstellung miteinbezogen. Hellinger bringt ihn nun vor allem mit jenen Stellvertretern in Kontakt, die der Therapeut innerhalb des Systems fuer nicht geachtet haelt, laesst beide heilende Saetze sprechen, um den Ausgeklammerten zu versoehnen. Das Rollenspiel dauert selten laenger als 20 bis 30 Minuten. Am Ende steht das Loesungsbild, das erhoffte Happy End jeder Aufstellung: die Befreiung aus der Verstrickung.

Das ganze oeffentliche Brimborium um seine Person, die ausufernde Szene von Familienaufstellern, die sich auf ihn berufen � all das ist Bert Hellinger vollkommen egal. Zumindest scheint es so. Jeder ist sein eigener Esel, sagt er lachend, was soll ich mich darum kuemmern? Ist der Mann wirklich so bescheiden, oder tut er nur so? Jedenfalls laesst er sich nicht in die Karten schauen. Das permanente Laecheln faellt auf, das seine schmalen Lippen umspielt � mal schelmisch, mal ueberlegen. Immer wissend. So guckt einer, der gern wider den Stachel loeckt. Hellinger geniesst seine Image als Provokateur gegenueber der etablierten Psychotherapie. Mit seinem schmucklosen dunklen Jackett und dem grau karierten Hemd ohne Krawatte wirkt er auf den ersten Blick so aufregend wie ein pensionierter Finanzbeamter. Eitel ist er nur, wenn es um seine therapeutischen Einsichten geht.

Der grosse Meister diskutiert nicht, er teilt Erkenntnisse mit

Das persoenliche Gespraech im Wuerzburger Tagungshotel ist mehr eine Audienz als ein Interview. Hellinger diskutiert seine Erkenntnisse nicht. Er gewaehrt die Gunst, sie mitzuteilen. Das Familienstellen, sagt Hellinger, sei Wissen vom Leben. Darum fuehle ich mich ueberhaupt nicht als ein Psychotherapeut. Sondern? Wieder dieses Laecheln: Als einer, der dem Leben dient!

Fuer solche Aphorismen wird er von vielen geliebt. Ob in Japan, Mexiko oder Wuerzburg � wo immer Hellinger auftritt, schart sich eine glaeubige Fangemeinde um ihn; ueberall haengen sie an seinen Lippen. Beim Familienstellen beginnt das Werk der Versoehnung in der einzelnen Seele, verkuendet der Meister mit getragener Stimme, als schreite er zum Diktat, wenn dort die Versoehnung gelingt, breitet sie sich auch auf groessere Gruppen aus.

Bert Hellinger ist so etwas wie der Dalai Lama der Psychoszene. Ein philosophischer Lehrmeister, der mit buddhistischem Gleichmut formulieren kann: Ich stimme der Welt zu, wie sie ist. Er ist die charismatische Symbolfigur einer Bewegung, die in einer hoch technisierten Kommerzwelt nach tiefer liegenden Geheimnissen der Seele sucht.

Hellingers Sprache klingt stets religioes. Das liegt auch an seinem Werdegang. 1925 in der spaeteren Boris-Becker-Stadt Leimen geboren, geht Anton Hellinger 1953 fuer die katholischen Marianhiller Missionare nach Suedafrika. Als Bruder Suitbert arbeitet er abwechselnd als Gemeindepfarrer unter den Zulu und als Lehrer an einer Schule in der suedafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal. Er studiert aufmerksam afrikanische Rituale und macht erste Erfahrungen mit gruppendynamischen Techniken. Im Gespraech mit einem Freund bekennt Hellinger Ende der neunziger Jahre: Das Priestertum kommt sicher aus Verstrickungen und unbewussten Auftraegen aus meiner Herkunftsfamilie, die dort einen Sinn gemacht haben. Aber ich habe das mit Hingabe und letztem Einsatz gemacht. Eine der seltenen persoenlichen Aussagen jenes Mannes, der in seinen Seminaren das Innerste seiner Klienten nach aussen kehrt, von sich selbst aber aeusserst wenig preisgibt.

Bekannt ist, dass Hellinger Anfang der siebziger Jahre seinen Orden verlaesst, heiratet und sich fortan nur noch mit Psychotherapie beschaeftigt. Im Gegensatz zu vielen seiner selbst ernannten Schueler ist Hellinger keiner, der nur eine neue Masche gesucht hat, um hilfesuchenden Zeitgenossen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Er glaubt an das, was er tut. Und er glaubt nur das, was er in den Aufstellungen sieht. Phaenomenologisch nennt Hellinger, ein begeisterter Leser des Philosophen Heidegger, diesen Ansatz, den er im Laufe seiner therapeutischen Karriere entwickelt hat.

Die Methode des Aufstellens entdeckt er unter dem Namen Familienskulptur bei der US-amerikanischen Familientherapeutin Virginia Satir (1916 bis 1988). Doch waehrend nach Satir Therapeut und Klient Loesungsmoeglichkeiten im engen Dialog gemeinsam entwickeln, verwandelt sich bei Hellinger die Familienaufstellung in ein schicksalhaftes Orakel. Die Loesung fuer den Klienten zeigt sich ausschliesslich dem Therapeuten � und zwar blitzartig. Mit beaengstigend gelassener Sicherheit tut Hellinger diese angeblich offenbarten Loesungen kund. Ob seine therapeutischen Interventionen als unerlaubte Heilbehandlung anzusehen sind, ist umstritten. Was Hellinger tut, gilt als allgemeine Lebensberatung. Der Mann hat keine kassenaerztliche Zulassung, aber das Psychotherapeutengesetz von 1999 sowie Paragraf 132a des Strafgesetzbuches verbieten nichtapprobierten Personen nur die Benutzung des Begriffes Psychotherapeut. Diese wackelige Rechtslage laesst den gesamten Psychomarkt reichlich nebuloes erscheinen. Fehlende Doktortitel ersetzt Hellinger durch ein geruettelt Mass an Charisma. Doch das genuegt nicht, um seinen Erfolg zu erklaeren.

Das Familienstellen ist als Therapieform fuer viele attraktiv, weil es dem Zeitgeist entspricht: kein stundenlanges Herumliegen mehr auf der abgewetzten Couch des Psychoanalytikers; kein endloses Gerede ueber Kindheitsprobleme, die man schliesslich wieder ungeloest mit nach Hause nimmt; komplizierte Beziehungskonstellationen muessen nicht mehr umstaendlich erklaert werden, sie werden bildhaft im Raum dargestellt. Weil der Mensch dazu neigt, alle Beziehungen in raeumlichen Metaphern zu beschreiben, ist das Rollenspiel mit Stellvertretern eine sofort einleuchtende Veranschaulichung des Problems. Ebenso einleuchtend ist die Beruecksichtigung der familiaeren Beziehungen des Klienten � ein Grundansatz der systemischen Familientherapie. Doch deren Vertreter schreien laut auf, wenn man Hellingers Methode mit ihrer Arbeitsweise verwechselt. Von wundersam offenbarten Loesungen moechte Fritz B. Simon nichts wissen. Der Berliner Psychiater und systemische Familientherapeut haelt Wahrheit fuer reine Ansichtssache, weil es ueber jede Familie so viele Wahrheiten wie Familienmitglieder gibt. Weil jeder Beobachter eines familiaeren Systems die rein subjektive Antwort auf die Frage geben muesse: Wo schaue ich hin? Hellinger hingegen schaut dorthin, wo sich heilende Kraefte zeigen, meinen zumindest seine Anhaenger.

Mein juengster Sohn litt an Neurodermitis, erzaehlt Joerg K. aus Koeln. Zu AErzten und Psychologen seien sie gerannt, vergeblich. Dann machten sie eine Familienaufstellung. Kurz darauf war mein Sohn seine Hautkrankheit los. Und Ulrich G. berichtet: Ich lebte getrennt von meiner Frau und meiner Tochter, dann stellte meine Tochter unsere Familie auf. Seitdem hat sich unser Verhaeltnis so gebessert, dass wir nun alle wieder zusammenleben. Von verschwundenen Depressionen bis zu wundersam kurierten Rueckenschmerzen � Heilungserfahrungen dieser Art machen unter Betroffenen allerorts die Runde.

Doch inwiefern und ob ueberhaupt die Aufstellungen zu solchen Heilungen beigetragen haben, das ist wissenschaftlich noch gar nicht untersucht und daher voellig ungeklaert, meint Fritz Simon. Seit Jahren beobachtet der Familientherapeut die Arbeit von Bert Hellinger und der stetig wachsenden Schar seiner Nachahmer mit kritischem Interesse. Er kennt die vielen Lehrvideos und Buecher, in denen Hellingers Anhaenger so ziemlich jede Aufstellung des Meisters akribisch dokumentiert haben. Auf eine UEberpruefung der Ergebnisse und Langzeitfolgen wartet die Fachwelt bis heute vergeblich. Es werden auch Menschen dadurch geheilt, dass sie ein wichtiges Gespraech an der Strassenbahnhaltestelle gefuehrt haben, gibt Simon zu bedenken. Erzeugen die Aufstellungen nur einen gruppendynamischen Placebo-Effekt nach dem Motto: Wenn man es glaubt, ist es noch schoener?

Mit Zweifeln solcher Art erntet man Kopfschuetteln unter den Hellingerianern. Alle Versuche, die Methode zu verwissenschaftlichen, naehmen ihr die Kraft, meinen Hellingers Anhaenger. Empirische Wissenschaft koenne das Geheimnis wissender Felder ohnehin nicht erfassen.

Doch muss einer, der Menschen therapeutisch beeinflusst, sich nicht auch kritisch mit den Folgen seines Tuns auseinander setzen? Handelt nicht verantwortungslos, wer nur angebliche Erfolge dokumentiert, ohne die Risiken und schaedlichen Nebenwirkungen zu analysieren?

Hellinger selbst lassen die Vorbehalte seiner Kritiker kalt. Er folgt lieber seiner therapeutischen Intuition. Familien-Stellen mit Kranken lautet der Titel eines seiner Buecher, in dem folgende Aufstellung dokumentiert ist: Im Vorgespraech erwaehnt eine wiederverheiratete Klientin, dass ihr erster Mann lediglich eine unerfreuliche Episode gewesen sei. Denkst du, erwidert Hellinger, das werden wir sehen� In der Aufstellung konfrontiert der Therapeut sie dann vor allem mit dem Stellvertreter ihres Exmannes, den die Klientin weit nach aussen gestellt hat. Wie geht�s dem vergessenen Gatten da? Jetzt hab ich gerade so ein Gefuehl gehabt wie: ,So leicht mache ich es dir aber nicht!�, sagt der Stellvertreter. Ein wissendes Nicken von Hellinger: Genau! Dann wendet er sich an die Frau: Dem Mann ist Unrecht getan von dir. Das wird sich bitter an dir raechen. Das raecht sich schon an dir. Auf so was steht manchmal die Todesstrafe, so mit Maennern umzugehen. Wenn eine Frau so mit Maennern umgeht, bekommt sie zum Beispiel haeufig Brustkrebs. Die Klientin gibt zu, mit 30 Krebs gehabt zu haben, Gebaermutterkrebs. Doch sie moechte klarstellen: Nicht ich bin mit ihm umgesprungen, sondern er war Spieler und hat mich jeden Tag betrogen. Und da musste ich gehen� Hellinger: Okay, der Koerper weiss es anders. Und schon steuert der Therapeut auf die Loesung zu. Er fordert die Frau auf, sich vor ihrem Exmann zu verneigen. Sag ihm: ,Es tut mir leid!� Sag ihm: ,Ich war ungerecht!� Sie verneigt sich vor seinem Stellvertreter, bittet um Verzeihung, demuetigt sich im Rollenspiel vor dem Mann, der ihr UEbles angetan hat. Danach fuehlen sich alle Aufstellungsteilnehmer irgendwie total versoehnt. Und Hellinger wendet sich dem Publikum zu: Ist das nicht schoen zu sehen, was kommt, wenn die Ausgeklammerten gewuerdigt werden?

Wenn man Hellinger vorwirft, dass solche Interventionen brutal und entwuerdigend seien, entschluepft er durch immer dieselbe Hintertuer: Es ist ja gar nicht meine Sicht. Die Wirklichkeit kommt ja durch die Aufstellung ans Licht.

In der Aufstellung zeigt sich die Aufstellung, sagt Fritz B. Simon. Alles andere ist die Deutung, die Hellinger konstruiert und sagt: ,Aha! Da isses!� An wissende Felder moechte der Berliner Psychiater nicht recht glauben, selbst wenn ich diese Erfahrungen der Beteiligten ernst nehme. Heftige Erlebnisse in gruppendynamischen Prozessen und Rollenspielen sind in der systemischen Familientherapie schon lange bekannt. Simon kritisiert, dass in der Hellinger-Szene nicht getrennt werde zwischen dem Phaenomen der intensiven Erfahrungen und den daraus folgenden Erklaerungen des Aufstellers.

Dass Stellvertreter tatsaechlich die Gefuehle der Menschen empfinden, die sie vertreten, ist bislang nicht mehr als ein Glaubenssatz. Aufsteller halten ihn natuerlich fuer ueberzeugend belegt, weil sie mit Vorliebe gerade jene Beispiele anfuehren, in denen Klienten diese Gefuehle bestaetigen konnten: Genau wie mein Opa� Gegenbeispiele werden hingegen ausgeblendet. Die Bestaetigungen der Klienten sind selten ueberpruefbar.

Die kognitive Psychologie hat gezeigt, dass sich Menschen unter suggestiver Befragung haeufig an Dinge erinnern, die sie tatsaechlich nie erlebt haben. False memory syndrome nennt man dieses Phaenomen. Wer so intensive, irritierende Emotionen erlebt wie die Klienten bei einer Aufstellung, der sehnt sich nach klaerenden Interpretationen. Je einfacher, desto besser. Ein Beduerfnis, das Hellinger zu befriedigen wisse, meint Simon. Er gibt ganz klare Botschaften darueber, was gut und boese ist, wie eine Beziehung auszusehen hat, wie Maenner und Frauen zueinander stehen sollten, wie man mit Kindern umgehen sollte, welche Strukturen in einer Familie gut sind und welche nicht gut sind.

Mindestens 2000 Therapeuten eifern Bert Hellinger nach

In einer individualisierten Gesellschaft, in der die Oma im Pflegeheim abgegeben wird, Eheleute sich als Lebensabschnittspartner verstehen und Scheidungskinder nichts Ungewoehnliches mehr sind, trifft Hellingers Rede von der verletzten Familienseele einen wunden Punkt. Weil sie zu Recht daran erinnert, dass eben doch nicht jeder allein und in freier Entscheidung seines Glueckes Schmied ist, sondern Teil eines komplizierten Systems von Beziehungen und Abhaengigkeiten. In dieser Situation, sagt Simon, habe Wahrheit wieder einen Markt. Wer zu Hellinger geht, braucht sich nicht mehr nachts im Bett herumzuwaelzen: ,Mach ich es so oder so?� Er bekommt ja klar gesagt, was er zu tun hat!

Wahrhaft verfuehrerisch ist die verblueffende Einfachheit der Methode. Man ist versucht zu denken: Das kann jeder. Entsprechend boomt der graue Markt der selbst ernannten Familienaufsteller nach Hellinger. Mindestens 2000 dieser Therapeuten bieten in Deutschland ihre Dienste an. Darunter finden sich gelernte Grafikdesigner und Astrologen, praktische Philosophen und Esoteriker aller Art. Viele von ihnen haben keinerlei qualifizierte psychotherapeutische Ausbildung, stattdessen inspirierende Erlebnisse mit den Lehrvideos und Seminaren von Bert Hellinger.

Die Begegnung mit Aufstellungen nach Hellinger hat mir den Durchbruch verschafft, bekennt etwa Andreas Diekmann. Meine Depressionen haben sich seitdem voellig geloest. Ich fuehle eine starke, innere Kraft und fuehle mich berufen, diese Arbeit weiterzufuehren. In den vergangenen 18 Jahren sei er ueberwiegend mit innerer Arbeit an sich selbst beschaeftigt gewesen. Hata-Yoga, Vipassana-Praxis, Lichtarbeit. Nun ist der 38-Jaehrige bei einem anderen Aufsteller in der Ausbildung und bietet selbst bereits Wochenendseminare im Familienstellen an. Zum Schnupperpreis. Diekmanns Veranstaltungen in einer angemieteten Praxis fuer Reinkarnationstherapie sind gut besucht. Es duftet nach erlesenen Kraeutern und Raeucherstaebchen. Zur Einstimmung gibt es eine Meditation: Hinter dir spuerst du deine Verwandten, wie sie dir den Ruecken staerken�

Diekmann ist ein gelehriger Schueler. In seinen Aufstellungen kommentiert er die Gefuehlsaeusserungen der Stellvertreter schon mit dem gleichen wissenden Laecheln und Nicken wie der Meister persoenlich. Manchmal kommen sehr tief liegende Verletzungen zum Vorschein, etwa dann, wenn Frauen ueber sexuelle Missbrauchserfahrungen berichten. Die behandle er wie alles andere auch, sagt Diekmann. In der Aufstellung versoehne er die Klientin mit dem Vater. Aber auch mit der Mutter, die ja vielleicht in der Beziehung zu ihrem Mann nicht mehr aktiv war und damit den Missbrauch beguenstigt habe. Heilende Saetze fuer solche Faelle finden sich in den Buechern und Lehrvideos von Bert Hellinger. Eine moegliche Loesung fuer das missbrauchte Kind ist nach Hellinger zum Beispiel, dass das Kind zur Mutter sagt: ,Mama, fuer dich tue ich es gern�, und zum Vater: ,Papa, fuer die Mama tu ich es gern�. Oder auch: ,Papa, ich hab es gern fuer dich gemacht.�

Ob er den Klienten schaden koenne? Grundsaetzlich nein, beteuert Diekmann. Wir koennen nur ans Licht bringen, was vorher im Unbewussten lag. Er sagt: Wir machen sozusagen nur das Licht an. Mit seinem so erleuchteten Familienschicksal werde die Seele des Klienten von ganz allein fertig.

Und mit solchen traumatischen Erfahrungen werden die Patienten nach der Aufstellung allein gelassen. Jacqueline von Manteuffel ist sauer. Immer wieder hat die Stuttgarter Diplompsychologin mit Patientinnen zu tun, die nach so einem Wochenendseminar voellig durch den Wind waren. Aufsteller nach Hellinger gingen einmal mit dem Quirl durch die Sosse, und wenn die Patienten am Ende seelisch zerstoert seien, muessten sich ausgebildetete Psychologen um Hellingers ehemalige Klienten kuemmern. Warum eigentlich, fragt sich die Psychologin, soll die Krankenkasse die aufwaendige Nachbehandlung zahlen muessen und nicht Bert Hellinger? Sexuelle Missbrauchserfahrungen in 30-minuetigen Familienaufstellungen kurieren zu wollen ist in Manteuffels Augen eine Zumutung. Da bekomm ich eine Gaensehaut! Eine therapeutische Intervention dieser Art bedeute eine zweite UEbergriffserfahrung fuer die Klientin � mit teilweise verheerenden Folgen.

Der Wuerzburger Kongressveranstalter Albrecht Mahr betreibt inzwischen ein eigenes Institut fuer Systemaufstellungen. Diese Arbeit erfordert gruendliches therapeutisches Fachwissen, meint er. Man lasse ja auch keinen Medizinstudenten am offenen Herzen operieren. Zu oft werde Hellingers Methode in Wochenendseminaren verramscht. Diese Leute richten viel Schaden an. Mahr haelt die Zeit fuer gekommen, dass die noch junge Bewegung der Familienaufsteller strengere Qualitaetsstandards entwickelt. Darum bemueht sich nach eigenem Bekunden auch die Internationale Arbeitsgemeinschaft fuer Systemische Loesungen nach Bert Hellinger e. V. (IAG), die eine Liste serioeser Familiensteller fuehrt � angeblich mit strengen Aufnahmekriterien. Die Namen von circa 200 Diplompsychologen, Fachaerzten und Familientherapeuten finden sich derzeit auf der Liste. Patienten sollen auf die intensive Erfahrung der Aufstellung sorgfaeltig vorbereitet und auch hinterher therapeutisch weiter begleitet werden.

Viele von Hellingers angeblich serioesen Nachahmern haben den Anspruch, als Wissenschaftler anerkannt zu werden. Hellinger selbst ist das egal. Manche Krankheiten, erzaehlt er mit leiser Stimme im Vier-Augen-Gespraech, seien die Wirkung eines zerstoererischen Fluches; schlimme Sachen koenne man da beobachten. Um das zu illustrieren, tut er, was er am liebsten tut, ein Beispiel erzaehlen: Ich hab in Mexiko so eine Aufstellung gemacht, ueber eine schwere Darmerkrankung. Die Krankheit sei ueber drei Generationen hinweg nach gleichem Muster verlaufen. Der Urgrossvater sei in der Revolution umgekommen. Hellinger fluestert fast, redet mit einem verschwoererischen Unterton weiter: Waehrend er da im Kampf war, hat sein Bruder mit dessen Frau ein Kind gezeugt. Kein Mensch habe davon gewusst. Das kam bei der Aufstellung heraus. Und nun war dieser Tote richtig boese. Doch sein Fluch habe nicht den treulosen Bruder getroffen, sondern dessen Nachkommen. Erst als sich alle vor ihm niedergekniet haben, einschliesslich der Urenkelin, da wurde sein Stellvertreter auf einmal weich, hat sich auf den Boden gelegt und die Augen zugemacht. Der Fluch war weg.

Das Phaenomen psychisch vererbter Krankheiten, die raetselhaft scheinende Weitergabe von Suizidanfaelligkeiten oder Suchtgefaehrdungen an spaetere Nachkommen ist in der klinischen Psychologie seit langem bekannt, aber keineswegs eindeutig geklaert. Die Fragwuerdigkeit von Hellingers therapeutischem Ansatz besteht jedoch gerade darin, dass er meint, in den Aufstellungen die Wurzeln solcher Verstrickungen eindeutig erkennen zu koennen. Aber seine Behauptung, all dies beim Familienstellen unvoreingenommen und jedes Mal neu zu sehen, widerlegt er in seiner eigenen Praxis. Wer einige seiner Aufstellungen miterlebt hat, weiss in der Regel schon vorher, was am Ende dabei herauskommen wird. Der Mann findet staendig die Ostereier, die er selbst versteckt hat.

Die wesentlichen Aufstellungen gehen immer um Leben und Tod

Niemand kann seinem Schicksal entgehen! Wie in Zeitlupe laesst Hellinger jedes seiner Worte auf das ergriffene Publikum in Wuerzburg niedersinken. Und Schicksal ist bestimmt durch unsere Herkunft. Wir muessen uns ihm stellen und es anschauen! Bald darauf sitzt der Therapeut mit einer weiteren Klientin auf der Buehne. Sie sei depressiv, erzaehlt die junge Frau. Was ist passiert in der Familie? � Mein Papa ist Palaestinenser. Als ich ein Jahr alt war, sind wir nach Deutschland gezogen. Mehr will Hellinger nicht wissen.

In der Aufstellung steht die Klientin ihrem Vater gegenueber. In gemessenem Abstand, drei Meter entfernt. Hellinger stellt zwei weitere Maenner dazu, Stellvertreter fuer ihre Heimat Palaestina. Regungslos starrt die junge Frau in Richtung des Vaters. Minutenlang. Dann spricht der Therapeut sie an. Sag deinem Vater: ,Ich geh zurueck!� Hellinger will die junge Frau zurueck nach Palaestina schicken, in die schicksalsbestimmte Heimat, die sie als einjaehriges Kind verliess. Muehsam bringt die Patientin die Worte ueber die Lippen: Ich geh zurueck! Dann steht sie weiter wie angewurzelt da, bis Hellinger sie ermuntert: Geh! Sie sieht den Therapeuten fragend an. Zurueck! Keine Reaktion, nichts. Also, sie schafft das nicht!, verkuendet Hellinger dem Publikum. Depression und Manie sind einfacher. Aber das Leben ist dort, in Palaestina. Laechelnd wendet er sich an die Klientin: Ich will dir was sagen, ja? Ob du dort stirbst oder dich hier umbringst, ist kein grosser Unterschied. Damit ist die Frau entlassen.

Manche Therapeuten fuerchten sich zu sagen, was sie sehen, verraet er spaeter unter vier Augen. Weil sie feige sind. In einem seiner Buecher erklaert der Meister woertlich: Wenn ich mit jemandem arbeite, schaue ich, ob er noch einen Weg vor sich hat oder nicht. Manchmal kann man ganz klar sehen: Der Weg ist schon zu Ende. Mit dem arbeite ich dann nicht mehr im Sinne einer Loesung. Ihn bereite ich auf das Ende vor. Ich tue nicht so, als haette er noch was Grosses vor sich.

Hellingers Allmachtsfantasien gehen selbst vielen seiner Schueler zu weit. Inzwischen ist die Szene gespalten. Waehrend die einen den Lehrer unverdrossen gegen jegliche Kritik verteidigen, wollen andere das Familienstellen im wissenden Feld vor seinem Erfinder schuetzen. Die wesentlichen Aufstellungen, sagt Bert Hellinger, gehen immer um Leben und Tod. Wie im Oktober 1997 bei einer Grossveranstaltung in Leipzig.

Ein getrennt lebendes Paar moechte klaeren, bei wem von ihnen die vier Kinder besser aufgehoben sind. Der Mann stellt auf, seine Frau ist mit auf der Buehne. Hellinger schaut sich die Aufstellung an und deutet auf den Mann: Dort sitzt die Liebe, und zur Frau gewandt: Und hier sitzt das kalte Herz! Zum Publikum sagt er: Die Kinder sind bei der Frau nicht sicher. Sie gehoeren zum Mann. Und dann: Die Frau geht. Die kann keiner mehr aufhalten. Das kann auch Sterben bedeuten. Wortlos verlaesst die Klientin den Saal. Fuer die Zeit nach dem Seminar hatte die junge AErztin bereits einen Umzug geplant und sich fuer medizinische Weiterbildungskurse angemeldet. Einen Tag nach der Aufstellung mit Bert Hellinger nimmt sie sich das Leben. In ihrem Abschiedsbrief an die Familie schreibt sie: Vielleicht gibt es Menschen, die so viel Schuld auf sich laden, dass sie kein Recht mehr haben zu leben. Und wenn es fuer die Kinder die Ordnung herstellt, will ich meinen Teil dazu tun, auch wenn es nicht das ist, was ich mir wuensche.

Sechs Jahre spaeter sagt Bert Hellinger im Interview: Ein Therapeut kann niemandem schaden. Laechelnd fuegt er hinzu: Ausser, der andere will das haben. (aus: DIE ZEIT 21.08.2003 Nr.35)     Top


Das Hellinger-Phaenomen von Fritz B. Simon, Arnold Retzer     Top

Kein anderer Therapeut ist in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum mit seiner Arbeit auf ein vergleichbares Interesse gestossen wie Bert Hellinger. Obwohl er selbst nicht mit Familien arbeitet, hat er vor allem unter Familientherapeuten Aufsehen erregt und Kontroversen ausgeloest. Es ist zu einer Polarisierung in begeisterte Anhaenger und erbitterte Gegner gekommen. Das erschwert naturgemaess eine sachliche und faire Auseinandersetzung, da man stets Gefahr laeuft, einer dieser beiden Parteien zugerechnet zu werden. Wir wollen es trotzdem versuchen, da unseres Erachtens das Phaenomen Hellinger (womit wir nicht ihn als Person, sondern seine Methoden und die Reaktionen von Klienten und Kollegen meinen) von uebergeordneter, exemplarischer Bedeutung fuer das Feld der Psychotherapie ist.

Eine der Hauptschwierigkeiten bei der Diskussion ueber Psychotherapie besteht ganz allgemein darin, dass meist die Beschreibungen dessen, was Therapeut oder Therapeutin, Patient oder Patientin tun oder lassen, vermischt werden mit Erklaerungen und Bewertungen dieser beschriebenen Phaenomene. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass Psychotherapie immer unterschiedliche Bereiche und Systeme betrifft: den individuellen Patienten, seinen Partner und/oder seine Familie, die Psychoszene, die Gesellschaft etc. Die Vermischung all dieser Ebenen ist eher die Regel als die Ausnahme. Das gilt auch fuer die Diskussion ueber Bert Hellinger.

Wir werden uns daher bemuehen, soweit es geht, Beschreibungen, Erklaerungen und Bewertungen sowie die verschiedenen Systemebenen auseinander zu halten. Beginnen wir bei dem, was Bert Hellinger und seine Kunden miteinander an- (oder besser gesagt) aufstellen:

Die Methode

Hellinger arbeitet mit einzelnen Klienten in der Gruppe. Ein wichtiger Baustein seiner Methode besteht darin, den Klienten seine Herkunftsfamilie aufstellen zu lassen, wobei einzelne Gruppenmitglieder stellvertretend die Position von Familienmitgliedern einnehmen. In einer Art raeumlicher Metapher wird so sichtbar, wer � aus der Perspektive des Klienten � in der Familie wem wie nahe oder fern steht oder stand, sich wem zu- oder abwendet. Dieses Verfahren wurde nicht von Hellinger erfunden, es ist seit Jahrzehnten in Therapie und Ausbildung etabliert und wird im allgemeinen als nuetzlich erachtet. Wie Hellinger mit solch einer Familienkonstellation arbeitet, weicht aber von den etablierten Verfahrensweisen ab: Er schreibt bestimmten Mustern Pathogenitaet zu und stellt dann die Loesungskonstellation, das heisst, er stellt die Familienmitglieder (bzw. ihre Repraesentanten) um, er aendert das Bild so, dass eine (von ihm bestimmte) Ordnung der innerfamiliaeren Beziehungen entsteht, die nach seiner Ansicht die Loesung des Problems ist. Meist konfrontiert er dann den Klienten noch damit, dass dieser bestimmte Aspekte seines Lebens aendern muesse, wenn er eine Chance haben wolle, ein erfuelltes Leben zu fuehren, manchmal sagt er ihm auch, dass er keine Chance habe. Seine Aussagen sind apodiktisch, er laesst nicht mit sich diskutieren, versucht aber auch nicht zu ueberzeugen. Nimm es oder lass es, so koennte man seine Haltung beschreiben.

Gegenueber der Gruppe zeigt er sich allerdings nicht so liberal hinsichtlich der Akzeptanz oder Ablehnung seiner Interventionen. Sehr haeufig deutet er die Ablehnung seiner Sichtweisen als Zeichen des Nicht-wahrhaben-Wollens oder des Sich-nicht-einlassen-Wollens auf Seiten des Klienten. Sein Verhalten als Gruppenleiter hat offensichtlich nicht das Ziel, fachliche Diskussionen zu ermutigen. Dies fuehrt dazu, dass sich eher diejenigen Gruppenteilnehmer aktiv verhalten, die Hellinger als Autoritaet akzeptieren.

Glaubt man (durchaus ernst zu nehmenden) Berichten von Klienten, so haben manche in solchen Gruppen fuer sich und ihr weiteres Leben wichtige Erfahrungen machen koennen, neue Ideen entwickelt und anschliessend entscheidende AEnderungen in ihrer Lebensweise vollzogen. Man kann � in diesen Faellen � Hellingers Vorgehen daher wohl als therapeutisch nuetzlich bezeichnen. Dieser Nutzen ist aber sicher nicht zu verallgemeinern, zumindest ist er nicht mit harten Methoden empirisch ueberprueft (aber das gilt fuer die meisten psychotherapeutische Methoden).

Die Klienten

Von zentraler Bedeutung fuer das Hellinger-Phaenomen ist unseres Erachtens, dass seine Klienten zum groessten Teil selbst Therapeuten und andere psychosoziale Helfer sind.

Das mag zu einem guten Teil die Kontroversen erklaeren, die er und sein Therapiestil ausloesen: Die Therapeut-Patienten-Beziehung ist komplementaer definiert; sie beruht auf der UEbereinkunft, dass der eine von beiden seiner gesellschaftlichen Rollendefinition gemaess eine Kompetenz besitzt, ueber die der andere nicht verfuegt. Das Verhalten des Therapeuten gegenueber dem Patienten folgt spezifischen, technischen Regeln und wird von therapeutischen Zielsetzungen geleitet; was immer der Therapeut macht, es ist eine therapeutisch mehr oder weniger nuetzliche oder auch schaedliche Intervention.

Ganz anders ist die Situation in der Auseinandersetzung zwischen Therapeuten, also in einer Therapeut-Therapeut-Beziehung. Hier wird im Idealfall die Symmetrie der Rollen vorausgesetzt, das heisst es gilt die UEbereinkunft, dass jeder von beiden der gesellschaftlichen Rollendefinition gemaess eine Kompetenz besitzt, ueber die der andere auch verfuegt.

In den Workshops von Hellinger werden diese beiden Kontexte � die Therapeut-Patienten-Beziehung und die Therapeut-Therapeut-Beziehung � miteinander vermischt. Bert Hellinger lehnt theoretische Diskussionen ueber seine Vorgehensweisen ab. Aus der Perspektive des aussenstehenden Beobachters laesst sich dies so beschreiben, dass er seine Rolle und die Beziehung zu seinen Workshopteilnehmern eindeutig im Sinne der komplementaeren Beziehung zwischen Therapeut und Patient, zwischen Wissendem und Nichtwissendem definiert. Unter diesen Umstaenden, also im Rahmen einer komplementaeren, asymmetrischen Beziehungsdefinition, waere es inkonsequent � es liesse sich sogar argumentieren: therapeutisch unverantwortlich �, sich auf fachliche Auseinandersetzungen einzulassen (Geheimnisse bleiben gross und wirken, nicht indem sie gelueftet werden,sondern indem sie da sind).

Eine ganz andere Frage ist, warum viele Therapeutenkollegen solch ein asymmetrisches Beziehungsangebot akzeptieren, ja, offensichtlich sogar suchen, wie aus dem Zulauf zu seinen Grossveranstaltungen zu schliessen ist.

Die Theorie

Will man ihm nicht unterstellen, dass er sich allein vom Zufall leiten laesst, so duerfte � all seinen Beteuerungen zum Trotz � auch Bert Hellinger eine Theorie (wenn vielleicht auch nicht im wissenschaftlich engeren Sinne), zumindest eine Weltanschauung haben, an der er sein Handeln orientiert. Unseres Erachtens hat er ganz offensichtlich nicht nur eine (ausgesprochen normative) Theorie ueber die Familie und die Beziehung des einzelnen zu seiner Familie, sondern er hat auch eine Therapietheorie und vor allem aber eine Erkenntnistheorie. Das Zusammenspiel dieser Theorien bestimmt auch bei Hellinger (wie bei jedem anderen Therapeuten), welche Phaenomene er bei der Arbeit mit seinen Klienten in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rueckt, welche er als unwichtig beiseite schiebt, welche Handlungen er vollzieht, welche er unterlaesst und wie sehr er seine UEberzeugungen als der Wahrheit entsprechend legitimiert sieht.

Hellingers Interesse richtet sich auf die im Interview genannten drei Grunddynamiken, auf bewusste oder unbewusste Identifikationen von Familienmitgliedern mit nichtgewuerdigten Personen in Gegenwart oder Vergangenheit der Familie.

Solch eine Dynamik laesst sich immer wieder in Familien beschreiben und gelegentlich sicher auch in einen Zusammenhang mit der Entstehung von Problemen und Symptomen bringen. Dies allerdings als die einzig relevante Dynamik zu betrachten und zu bewerten, erscheint unserer therapeutischen Erfahrung und der wissenschaftlichen Literatur nach nicht angemessen.

Unabhaengig davon aber, welchen Stellenwert man diesem Muster zubilligen mag, bildet Bert Hellingers Modell (oder das, was er darueber sagt) den extremen Gegenpol zu den Ansichten, wie sie zur Zeit im Feld der Familientherapie ueberwiegend vertreten werden, speziell im Feld der systemischen Therapie wie sie zum Beispiel seit Beginn der 80er Jahre von unseren Kollegen und uns in der Abteilung fuer Familientherapie der Universitaet Heidelberg entwickelt wurden: Hellinger macht normativ Vorgaben, wie der Klient sein Leben und seine Beziehungen zu organisieren habe, um sein Lebensglueck zu finden und seine Probleme loszuwerden. Er hat also nicht nur ein klares Konzept der Verursachung von Krankheit, sondern auch ein klares Gesundheitskonzept. Die neuere Systemtheorie � und die systemische Therapie wie wir sie vertreten � orientiert sich dagegen nicht so sehr an Sollzustaenden, sondern an der Begrenzung von Moeglichkeiten. Das heisst, dass der Therapeut zwar Angaben darueber machen kann, ja machen muss, will er begruendbar handeln, welche familiaeren Konstellationen und Kommunikationsmuster die Wahrscheinlichkeit einer Symptombildung erhoehen, nicht aber, welche Ordnungen (ob der Liebe oder des Hasses) mit Problem- oder Symptomfreiheit verbunden sind. Das laesst sich analog zum organmedizinischen Bereich verstehen: Man kann sehr wohl sagen, was schaedlich fuer die Lunge ist, nicht aber, was man tun muss, um sich eine gesunde Lunge zu sichern.

Waehrend also in dem, was gemeinhin als systemische Familientherapie bezeichnet wird (leider lautet der Titel des bekanntesten Buches ueber Hellingers Ansatz: Zweierlei Glueck. Die systemische Therapie Bert Hellingers; das fuehrt zu vielerlei Verwirrungen darueber, was denn eigentlich unter systemischer Therapie zu verstehen ist), der Therapeut eine weitgehend normfreie Position vertritt, weil er nicht denkt, er wuesste wirklich, wie der Patient oder seine Familie ihr Leben zu gestalten haben, praesentiert Bert Hellinger die Gegenposition: Er weiss, wie man richtig lebt.

Seinem Nichtwissen � welches die fuer den Patienten oder seine Familie richtige Loesung ist � entsprechend beschraenkt der systemische Familientherapeut seine Verantwortung auf den diskursiven Prozess, nicht jedoch auf den Inhalt. Mit anderen Worten: Sein Expertentum und seine Kompetenz bezieht sich auf die Prozeduren, mit deren Hilfe einzelne oder Familien Loesungen finden koennen, nicht jedoch auf die jeweils konkrete Loesung selbst. Das hat zwangslaeufig Folgen fuer die Therapeut-Patienten-Beziehung: Sie ist weniger asymmetrisch, der Therapeut ist weit weniger der Wissende. Genauso gegensaetzlich erscheinen die erkenntnistheoretischen Praemissen. Im familientherapeutischen Feld haben sich in den letzten zehn Jahren radikal konstruktivistische Theorien durchgesetzt. Danach konstruiert jeder einzelne Mensch sein eigenes, unverwechselbares Bild der Realitaet. Es steht keine objektiv feststellbare Wahrheit zur Verfuegung, sondern ebensoviele subjektive Wahrheiten wie Menschen. Hellinger legt dagegen ein Erkenntnismodell (er nennt es phaenomenologisch) zugrunde, das die Idee des direkten Zugangs zu einer objektiven Wahrheit voraussetzt und aus einer mystischen Tradition zu entstammen scheint. Wissen offenbart sich ueber die Wahrnehmung des Mitgeteilten hinaus, es entsteht als Teilnahme an einer uebergeordneten Wahrheit. Dieses mystische Modell des Wissens hat in vielen Kulturen und Religionen der Welt eine lange Tradition. Wir wollen uns hier nicht anmassen, solch ein Verstaendnis von Wahrheit in Frage zu stellen. Allerdings laesst sich feststellen, dass es als Grundlage fuer den fachlichen Diskurs nicht sonderlich geeignet ist (wobei anzumerken ist, dass Hellinger diesen Anspruch auch nicht vertritt).

Legt man konstruktivistische Vorannahmen zugrunde, wird klar, warum man offensichtlich auch (oder gerade) mit solch normativen Modellen und mystischen Legitimationen, wie Hellinger sie vertritt, erfolgreich therapeutisch arbeiten kann. Wenn ein Patient sich an seinem Therapeuten orientiert und dessen Wirklichkeitskonstruktionen, seine Normen und Werte uebernimmt, so kann dies fuer seine weitere Lebensfuehrung einen heilsamen Unterschied machen. Das sagt aber nichts darueber, ob diese Konzepte, zum Beispiel Hellingers Vorstellungen von den Ordnungen der Liebe, im wissenschaftlichen Sinne stichhaltig sind. Es geht lediglich darum, ob die vom Therapeuten praesentierten Sichtweisen und die von ihm gestreuten Ideen einen Unterschied fuer den Patienten machen, der es ihm ermoeglicht, sein Verhalten, sein Fuehlen und Denken zu aendern. Es geht also generell nicht um die Wahrheit des Therapeuten, sondern um die Nuetzlichkeit fuer den Patienten.

Das wiederum haengt aber entscheidend von der Autoritaet ab, die der Patient dem Therapeuten zubilligt. Auch dies gilt ganz allgemein fuer die Rolle des Psychotherapeuten. Dieser hat in unserer Zeit offenbar oft die Rolle des Priesters als sinnstiftende und Orientierung gebende Leitfigur zu ersetzen.

Die Haltung des Therapeuten

Bei all diesen Unterschieden in Methode, Beziehungsgestaltung und Theorie gibt es aber auch UEbereinstimmungen im Interventionsstil und der therapeutischen Haltung zwischen Hellinger und systemischen Familientherapeuten. Etwa da, wo nicht einseitig den Eltern die Schuld fuer das Schicksal des Patienten gegeben wird. Dies waere aus systemischer Sicht eine Simplifizierung, die sich therapeutisch aus den von Hellinger im Interview angedeuteten Gruenden als wenig nuetzlich fuer die Patienten erweist: Kinder sind ihren Eltern, so begrenzt oder mangelhaft diese sich auch erwiesen haben moegen, fast immer ambivalent verbunden. Die Parteinahme gegen die Eltern weckt fast regelhaft die Loyalitaet fuer sie, so dass im Endeffekt der Patient in einen Loyalitaetsskonflikt zwischen Therapeut und Eltern geraet. Allerdings muss man ergaenzen, dass auch eine einseitige Parteinahme fuer die Eltern zu aehnlich contraproduktiven Effekten fuehren kann. Arbeitet man mit ganzen Familien, ist die Neutralitaet gegenueber Personen oder den unterschiedlichen Seiten von Konflikten eine der Voraussetzungen fuer eine laengerfristige effektive Kooperation zwischen Familie und Therapeut.

Die Bereiche der sozialen Kontrolle und der Strafgerichtsbarkeit sollten � auch hier muss Hellinger aus systemtheoretischer Sicht zugestimmt werden � von dem Bereich der Therapie getrennt werden. Therapeuten geben ihre Arbeitsmoeglichkeiten als Therapeuten auf, wenn sie sich in die Rolle von Richtern, Rettern, Gutachtern u. ae. begeben (zum Beispiel im Falle von Missbrauch und Gewalt). Therapeuten, die moralisieren, das heisst die richtige Unterscheidung der Bewertung von gut und boese zu ihrem therapeutischen Anliegen machen, sollten mit Misstrauen betrachtet werden; nur zu oft wird ein persoenlicher Machtanspruch durch die Berufung auf hoehere Werte kaschiert. Hier zeigt sich eine weitere Schwierigkeit, Hellinger einzuordnen: Er vertritt zwar klare Normen, moralisiert jedoch nicht. Er zeigt sich nicht als Missionar oder Retter oder Helfer, sondern signalisiert, dass es ihm letztlich egal ist, ob seine Klienten seine Ratschlaege befolgen. Er laesst die Verantwortung fuer ihr Schicksal bei ihnen. Dies entspricht weitgehend der Haltung systemischer Familientherapeuten, ihrer Neutralitaet gegenueber Veraenderung oder Nichtveraenderung.

Die Werte

Ob die von Hellinger vertretenen Werte konservativ oder gar reaktionaer sind, laesst sich natuerlich nicht objektiv sagen, da dies von der Perspektive und Wertung des Beobachters bestimmt wird. Immerhin verwendet er eine Sprache, der ein gewisses pastorales Pathos nicht abzusprechen ist. Sie greift auf lange aus der Mode gekommene Begriffe zurueck (zum Beispiel Sippe etc.), die eine Blut-und-Boden-Verbundenheit suggerieren. Dazu passt, dass er sich auf naturgegebene, ausserhalb der Willensentscheidung des einzelnen liegende Ordnungen und Werte beruft (zum Beispiel was die Rolle der Frau, die dem Mann zu folgen hat, angeht). Diese Ordnungen oder Naturgegebenheiten werden als nichthinterfragbar gut und richtig bewertet. Ob die UEbernahme solch einer Sichtweise zu fortschrittlichen oder rueckschrittlichen Wirkungen fuehrt, sollte im Einzelfall beurteilt werden. Auch hier muss wohl zwischen therapeutischer Intervention und politischem Bekenntnis unterschieden werden. Die therapeutische Erfahrung lehrt, dass der Versuch, (zum Beispiel in einer Familie) etwas zu aendern, nur allzu oft die Voraussetzung dafuer ist, dass alles bleibt, wie es ist � und umgekehrt. Auf gesellschaftlich-politischer Ebene dem Status quo das Wort zu reden, hat da sicher eine konservativere Wirkung.

Die politische Ebene

Dass Hellinger soviel Zulauf in Therapeutenkreisen findet, duerfte damit zusammenhaengen, dass wir in einer Zeit leben, in der die grossen Erzaehlungen, die allumfassenden Theorien und Wahrheiten wie Marxismus, Psychoanalyse und Aufklaerung ihre Strahlkraft verloren haben (Schlagwort: Postmoderne). Jeder einzelne hat damit zu leben, dass ihm Theorien keine vorgefertigten, glaubhaften und umfassenden Wahrheiten mehr liefern, an denen er sich orientieren koennte. Wo die Autoritaet der Theorien schwindet, kann die Autoritaet von Personen erneut Sicherheit fuer das eigene Handeln liefern. Wohl keine therapeutische Richtung hat sich so sehr auf die Demontage alter Wahrheiten eingelassen wie die Familientherapie, was sich unter anderem darin zeigt, dass Systemtheorie und Konstruktivismus die Leitparadigmen liefern. Dies hat nicht nur einen ungeheuren Raum fuer die Neuentwicklung unorthodoxer therapeutischer Methoden geliefert, sondern � Kehrseite der Medaille � dem einzelnen Therapeuten die Verantwortung fuer die Wahl seines theoretischen und praktischen Modells uebergeben. Dies ist ein Mass an Eigenverantwortung, das nicht jedermanns Geschmack ist. Dass in solch einer Situation Zuflucht zu einer Leitfigur gesucht wird, erscheint uns nicht ueberraschend.

Ob dieser Trend allein auf das therapeutische Feld begrenzt ist, scheint uns zweifelhaft. Hier duerfte am Hellinger-Phaenomen wohl eher eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung der Suche nach neuen Sicherheiten, Gewissheiten, Wahrheiten und eines Eingebundenseins in hoehere Ordnungen deutlich werden, die uns durchaus mit Sorge erfuellt. Die Verantwortung dafuer Hellinger zuzuschreiben, hiesse aber, seine Macht zu ueberschaetzen.

Den AEusserungen Hellingers zu politischen Sachverhalten, speziell zum Widerstand in der Nazizeit, muessen wir allerdings schon aus rein systemtheoretischen Gruenden widersprechen. Falls er mit seinem Bedauern gegenueber den Widerstandskaempfern andeuten wollte, dass innerhalb komplexer sozialer Systeme zielgerichtetes Handeln nur von begrenzten Erfolg sein kann, so ist ihm recht zu geben. Aber gleichzeitig sind solche Systeme in ihrem Verhalten so wenig vorhersehbar und beherrschbar, dass sogar die Aktionen eines einzelnen im richtigen Moment und mit dem ausreichenden Mass an Abweichung vom Ganzen � oder anders ausgedrueckt: mit dem Mut, sich nicht im Einklang mit der vermeintlich hoeheren Ordnung zu befinden � Massenbewegungen und Umstuerze ausloesen koennen (der beruehmte Schmetterlingseffekt der Chaostheorie). Die Schwierigkeit liegt wohl generell darin, einen Mittelweg zwischen Groessen- und Kleinheitswahn zu finden, da beide fatale Folgen haben koennen.

Arnold Retzer, Priv.-Doz., Dr. med., Dipl.-Psych., systemischer Familientherapeut. Lehrtherapeut der Internationalen Gesellschaft fuer systemische Therapie (IGST), Mitbegruender des Heidelberger Instituts fuer systemische Forschung, Therapie und Beratung. Entwickelte zusammen mit Gunther Schmidt, Gunthard Weber, Helm Stierlin und Fritz Simon (Neue Heidelberger Schule) die grundlegende Methodik der systemischen Therapie, insbesondere bei Psychosen. Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Artikel und Buecher zur systemischen Therapie, zuletzt erschienen: Familie und Psychose (Verlag G. Fischer).

Fritz B. Simon, Priv.- Doz., Dr. med., Psychiater, Psychoanalytiker, systemischer Familientherapeut. Mitbegruender des Heidelberger Instituts fuer systemische Forschung, Therapie und Beratung. Vizepraesident der European Family Therapy Association (EFTA), Autor mehrerer Buecher. Gerade erschienen: Die andere Seite der Gesundheit. Ansaetze einer systemischen Krankheits- und Therapietheorie (Carl Auer Verlag). Top


Bert Hellinger und seine Schueler     Top

Therapeuten der besonderen Art


"Den Kopf runter. Bis auf den Boden; Arme nach vorn; Handflaechen nach oben; und jetzt sag:

Lieber Papi, ich gebe Dir die Ehre." (Bert Hellinger)


Alice Vachss hat im Bereich des Kindesmissbrauchs fuer eine Reihe von Personen den Begriff des Kollaborateurs verwendet. Auch der Psycho- und Esoterikmarkt bietet so allerlei ... unter anderem selbsternannte Psychoanalytiker und Familientherapeuten wie Bert Hellinger, der eine Reihe von Schuelern gefunden hat. Hellinger betrachtet Missbrauch, (nebenbei bemerkt: auch Ereignisse wie Terror und Voelkermord, nicht zuletzt in der Zeit von 1933 bis 1945) als schicksalhafte und unausweichliche Folge "gewaltiger Kraefte", bei der nicht nur die Taeter keine Verantwortlichkeit oder gar Schuld trifft, sondern bei denen gar nicht von Taetern gesprochen werden koenne. Der Missbrauch als Tat ohne Taeter, da die sexuelle Ausbeutung immer auch im Einverstaendnis mit dem Kind geschehe und/oder die Mutter dem Mann die Tochter anbiete und ueberlasse.

Vorab kurz zur Person des Bert Hellinger: Autor vor allem des Buches "Ordnungen der Liebe - ein Kurs-Buch". Studium der Philosophie und Theologie. Kein Abschluss als Psychotherapeut an einem anerkannten Ausbildungsinstitut hierzulande; Erteilung einer Gleichwertigkeitsbescheinigung fuer Kurse in OEsterreich im Jahre 1981.

Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir Hellinger und seine Anhaenger wie Gunthard Weber und Rainer Adamaszek als zynisch und menschenverachtend empfinden. The Zero moechte es jedoch seinen Besuchern selbst ueberlassen zu beurteilen, mit welchen Attributen diese ganz besondere Personengruppe zu belegen ist. Wir verzichten daher auf unnoetige eigene Ausfuehrungen ueber das Wirken des Herrn Hellinger und seiner Anhaenger und lassen diese stattdessen selbst zu Wort kommen. Lesen Sie die nachfolgenden Originalzitate und urteilen Sie selbst!:

"Es gibt Unterschiede beim Inzest: Wenn sich eine Tochter nach dem Fortgehen ihrer Mutter als deren Platzhalterin fuehlt, sich dem Vater sexuell anbietet und dann gewissenlos von ihm sexuell ausgebeutet wird, ist das etwas anderes, als wenn Vater (und Mutter) das Kind unter Androhung koerperlicher Gewalt zu sexuellen Handlungen zwingen und ihm sogar physische Qualen zufuegen." (Rainer Adamaszek 1993).

"Inzest ist oft ein Versuch des Ausgleichs bei einem Gefaelle von Nehmen und Geben in der Familie. Den Taetern, seien es Vaeter, Grossvaeter, Onkel oder Stiefvaeter, wurde etwas vorenthalten, oder es wird etwas nicht gewuerdigt, und der Inzest ist dann ein Versuch, dieses Gefaelle auszugleichen." (Weber, Gunthard (Hrsg.): "Zweierlei Glueck: Die Systemische Psychotherapie Bert Hellingers, Heidelberg 2001, S. 89)

"Kommt hinzu, dass es auch noch einen Mangel an Austausch und Ausgleich bei den Partnern gibt, zum Beispiel in der sexuellen Beziehung, entsteht in diesem System ein unwiderstehliches Beduerfnis nach Ausgleich, das sich wie eine Triebkraft durchsetzt und der naheliegende Ausgleich ist, dass die Tochter sich anbietet oder die Frau dem Mann die Tochter ueberlaesst oder anbietet." (aaO, S.90)

"Der Mann kann der Versuchung schwer widerstehen, weil er das Beduerfnis nach Ausgleich hat. Wenn man das jetzt vordergruendig sieht als Trieb im Sinne von "Er vergeht sich an der Tochter" versteht man eine wesentliche Grunddynamik nicht. ... Wenn so etwas geschieht, sind alle in einem tiefen Einverstaendnis, die Frau, die Tochter und der Mann, um einen Ausgleich von Nehmen und Geben herzustellen." (aaO, s. 91)

Nachfolgend Fragen zum Thema Inzest, beantwortet von Bert Hellinger persoenlich, entnommen dem bereits zitierten Werk Gunthard Webers:

F: Du hast gesagt: Wenn sich eine Frau in der Sexualitaet verweigert ... Das impliziert fuer mich eine Schuldzuschreibung. Ich denke, dass das eine gestoerte Beziehung ist, an der beide beteiligt sind, und dass sich beide dem nicht stellen.

Bert Hellinger: Nein, die Frau verweigert sich.

F: Darf ich noch fragen, warum?

Bert Hellinger: Spielt ueberhaupt keine Rolle, aber es gibt natuerlich Bedingungen. Die Frau ist natuerlich verstrickt, wenn sie sich verweigert, aber es ist unfair dann die Schuld beim Mann zu suchen ... wer hat denn den Schluessel, wenn sich etwas veraendern soll? Den hat nur die Frau. Sie hat dann auch die Verantwortung, und nicht der Mann.

F: Es bleibt aber fuer mich, dass Du so etwas beschreibst, dass der Mann sich an die Tochter wendet, weil die Frau sich entzieht. In dieser Beschreibung ist nicht beruecksichtigt, was der Mann tat, dass die Frau sich ihm entzieht.

Bert Hellinger: Diese zusaetzliche UEberlegung bringt nichts hinsichtlich der Loesung fuer das Inzestopfer. ... Die Dynamik zeigt aber, dass die Mutter das Kind vorschiebt, um sich dem Mann entziehen zu koennen. Wenn jetzt die Tochter sagt: "Mama, fuer Dich tue ich das gerne", kommt sie in einen anderen dynamischen Zusammenhang und kann sich leichter vom Vater loesen, kann sich vom Trauma loesen, und sie kann sich von der Mutter loesen."

F: Aber fuer das Maedchen, besonders wenn es noch klein ist, ist es doch eine tiefe Wunde. Anders kann ich mir das gar nicht vorstellen.

Bert Hellinger: Das ist eine Dramatisierung.

F: Aber was macht der Satz mit dem Vater. Der Vater verkommt ja zum Statisten. Was macht der, um das Gleichgewicht wiederherzustellen?

Bert Hellinger: (laechelnd) ... Der Mann ist nur ein Blitzableiter, er ist in die Dynamik verstrickt, weil die alle gegen ihn zusammenwirken. Er ist sozusagen das arme Schwein ...

F: Ich habe es noch nicht verstanden. Was tut nun der Mann, um das Gleichgewicht wiederherzustellen? Heisst das, dass er weggeht?

Bert Hellinger: Das waere die moralische Loesung, wenn er weggeht, wenn er sich schaemen und die Familie verlassen muss. Er wird dann angezeigt, kommt ins Gefaengnis. Dann ist er weg. Das ist aber ein schlimme Loesung, weil das keinen Frieden ins System bringt.

Fuer manche ist das Schlimmste, was jetzt noch kommt, naemlich: Das Maedchen kann zugeben, dass es auch schoen und lustvoll war ... Fuer einige Kinder ist das Erleben lustvoll ... Das Maedchen darf anerkennen, dass es ... den Inzest auch faszinierend erlebte, denn das Kind verhaelt sich kindgemaess, wenn es neugierig ist und etwas erfahren will. Wenn ich es einmal etwas frivol und provokativ sage: Die Erfahrung als solche ist dabei ja nur etwas vorgezogen."


Dass Hellinger und seine Schueler beileibe nicht nur die abstrusesten Vorstellungen und Glaubensbekenntnisse zu Fragen des sexuellen Missbrauchs hegen und verbreiten, sondern auch vor der Weltgeschichte in grossem Massstab nicht Halt machen, soll im folgenden dargestellt werden, wobei wie immer weitesgehend der Originalwortlaut zitiert werden soll:

Bei Hellingers pseudotherapeutischer Arbeit geht es darum, Gewalt und Machtmissbrauch, Terror und Voelkermord als etwas Unausweichliches, Schicksalhaftes beschreiben. So werden durch Hellinger all diese Verbrechen zu einer Tat ohne Taeter. Vor allem zum Holocaust gibt es von Hellinger die zynischsten Glaubensbekenntnisse.

So setzt Hellinger die Studenten der Weissen Rose, die Geschwister Scholl, einer Mafiagruppe gleich. Sie haetten sich gegen eine Gruppe gestellt, weil sie in einer anderen gebunden waren. Deshalb sei der Tod fuer sie nichts Schlimmes gewesen:

"Wer in einer Mafiagruppe aufwaechst, stellt sich gegen eine Ordnung, weil er in seiner Gruppe einer anderen Ordnung ausgesetzt ist. Er wird aber als Verbrecher bezeichnet. Der seelische Vorgang ist aber genau der gleiche. Jeder ist so, wie er ist, weil er an eine Gruppe gebunden ist. Wir machen da nun eine moralische Unterscheidung: Die einen sind gut, und die anderen sind schlecht. Das geht nicht. Die von der Weissen Rose haben Glueck gehabt, dass das Regime zusammengebrochen ist. Jetzt sind sie die grossen Helden. Haetten die Nazis gesiegt, waeren sie die Verbrecher geblieben. Das ist der ganze Unterschied von Gut und Boese." (zitiert in : Weber, Gunthard (Hrsg.): "Zweierlei Glueck: Die Systemische Psychotherapie Bert Hellingers, Heidelberg 2001, S. 203)

Hellinger sagt auch:

"Philosophisch oder theologisch gesehen ist es nicht denkbar, dass jemand durch sein Verhalten aus der Ordnung herausfaellt. Der Einzelne kann sich seine Rolle nicht aussuchen, und im gesamten ist sein Verhalten sinnvoll."( aaO, S. 203)

Dieses Denken, bezogen auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 fuehrt dann zu solchen Einsichten:

"Das sind dann gewaltige Kraefte, die ploetzlich wirken und die Menschheit ergreifen. Und das, was wir als destruktiv begreifen oder boese und destruktiv nennen, ist genauso eine gewaltige Kraft, und sie fuehrt zum Guten. Wir waeren in Europa weit zurueck, wenn das alles nicht geschehen waere." (aaO, S. 204)

Oder:

"Man kann sehen, dass in juedischen Familien die Taeter sehr haeufig zutiefst verachtet sind. (...) Das Ergebnis istz, dass in vielen juedischen Familien ein Kind die Taeter vertritt. Es entwickelt dann eine Taeterenergie.. (...) Weil man den Taetern keinen Platz geben wollte, wird nationalsozialistische Taeterenergie unbewusst uebernommen.". (Hellinger, Bert, "Das Judentum in unserer Seele", Vortrag im Kulturhaus Dornbirn/OEsterreich vom 24.02.2002, auch nachzulesen auf der website des virtuellen "Hellinger-Institutes" namens hellinger.com.

In seinem neuesten Buch wendet sich Hellinger dann in woertlicher Rede direkt an Hitler:

"Manche betrachten dich als einen Unmenschen, als ob es je jemanden gegeben haette, den man so nennen darf. (...) Wenn ich dich achte, achte ich auch mich. Wenn ich dich verabscheue, verabscheue ich auch mich. Darf ich dich dann lieben? Muss ich dich vielleicht lieben, weil ich sonst auch mich nicht lieben darf? Wenn ich bekenne, dass du ein Mensch warst, wie ich es bin, dann schaue ich auf etwas, das ueber uns beide in gleicher Weise verfuegt, auf etwas, das sowohl deine wie meine Ursache ist - und unser Ende. Wie duerfte ich mich von dieser Ursache ausschliessen, indem ich dich ausschliesse? Wie duerfte ich diese Ursache anklagen und mich so ueber sie erheben, indem ich dich anklage? Doch ich darf auch kein Mitleid mit dir haben. Du stehst und faellst der gleichen Ursache wie ich. Ich verehre sie in dir wie in mir und unterwerfe mich ihr in allem, was sie in dir bewirkt hat und was sie sowohl in mir und als auch in jedem anderen Menschen bewirkt". (Hellinger, Gottesgedanken, S. 247)


Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fuer Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) zu Familienaufstellungen nach Hellinger in reportpsychologie 4/2003

Auch die DGSF aeussert sich zu Hellinger und haelt die publikumswirksame Praxis des Familienaufstellens nach Hellinger fuer "ethisch nicht vertretbar" und "gefaehrlich fuer Betroffene". Die DGSF sieht in den "Ultra-Kurz-Events" nach Hellinger eine "Gefaehrdung von Klienten". Hellinger vertrete sein Vorgehen mit einer Absolutheit, welche die Selbstbestimmung der Patienten enorm einschraenke. Gleichzeitig entziehe er sich einer kritischen und ernsthaften Diskussion und lasse sich lieber "von einer glaeubigen Anhaengerschar" bewundern. Familienaufstellungen in Grossgruppen mit dem Ziel des Publikumseffekts werden von der DGSF als unethisch abgelehnt. Die systemische Therapie werde durch den wissenschaftlichen Diskurs von Fachleuten definiert und nicht durch "Bert Hellinger als normensetzendem Guru". (Quelle: vachss.de)    Top


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